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Abzocker-Initiative ist kein Henkerstrick

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Für Tho­mas Min­der war die Vor­aus­zah­lung über 12,5 Mil­lio­nen Fran­ken an den früheren CEO der Swis­sair Mario Corti der Grund für seine Ab­zocker-i­ni­tia­ti​­ve. Aber da hat er sich genau den falschen aus­ge­sucht. Herr Corti übernahm den CEO-­Pos­ten als die Rat­ten das leck­ge­schla­gene Schiff flucht­ar­tig ver­lies­sen. Im vol­len Be­wusst­sein das dies, für seine bis dahin er­folg­rei­che Kar­rie­re, das Ende be­deu­ten könnte. Diese Vor­aus­zah­lung war der 5-Jah­res­lohn für ein En­ga­ge­ment das mehr einem Him­mel­fahrts­kom­ma​ndo glich als einem Chef­pos­ten. Mario Corti hat ge­schuf­tet, gekämpft und hat nach einem zähen Rin­gen trotz­dem ver­lo­ren. Als Dank musste er vor Ge­richt an­tra­ben. Herr Min­der hat noch heu­te, wie er selbst sagt, „eine Wut im Bauch“. Und wir wis­sen alle, dass Wut ein schlech­ter Rat­ge­ber ist und so ist es auch ge­kom­men. Die In­itia­tive ist über das Ziel hin­aus ge­schos­sen und das schlimmste…das „Abzocken“ kann er mit sei­ner In­itia­tive auch nicht ver­hin­dert. Dies sagt er selbst in einem kürzlich ge­ge­ben In­ter­view in der Gen­fer Zei­tung “Le Temps”.

Frage “Le Temps”: Sind Sie im Grunde gar nicht gegen hohe Löhne, da Ihre Initiative sie nicht verbietet?

Thomas Minder: “So ist es. Ich will nur den Aktionären die Verantwortung geben über die Höhe der Vergütungen. Ich habe nie gesagt, dass es mein Ziel sei, die Löhne zu senken.”

Das einzige was die Initiative macht, ist die Aktionäre zu stärken. Also was bleibt? Der Gegenvorschlag? Herr Minder hat mit einem enormen Engagement, vor welchem ich nur demütig das Haupt beugen kann, die ganze Wirtschafts- und Politlandschaft aufgemischt und diese haben sich nun auf einen Gegenvorschlag geeinigt, der in einigen Punkten weniger hart, dafür in anderen Punkten weiter geht. Über alles gesehen ist er ihm wohl ebenbürtig aber weniger ein Korsett für unsere Wirtschaft.

Ich bin auch nur ein normaler Angestellter und werde nie Boni in Millionenhöhe erhalten. Neidisch bin ich aber nicht und möchte auch nicht, dass wegen 30-40 Abzocker unser Wirtschaftsstandort tendenziell schlechter dasteht als das Ausland. Die Initiative ist sicher nicht der Strick welcher unsere Wirtschaft strangulieren wird, wie dies einige behaupten. Die Initiative ist aber eine weitere Stolperschnur für unsere Unternehmen und aus meiner Sicht ist dies unnötig.


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50%
(4 Stimmen)
Werner Amsler sagte February 2013

Die Frage ist nicht, ob wir diese Auswüchse gutheissen oder nicht. Die Frage ist, ob die Initiative das geeignete Mittel gegen diese Auswüchse ist. Es ist wie bei einem Medikament. Erträgt der Patient die Nebenwirkungen?
Mit der Minderini werden sich in Zukunft unsere SMI-Firmen nicht von der Schweiz verabschieden. Sie werden aber wesentlich mehr Mühe haben auf dem internationalen Parkett die Topmanager zu rekrutieren. Nirgens auf der Welt droht diesen Gefängniss oder solch trakonische Strafen wie sie die Minderini vorsieht. Damit halten wir aber nicht nur die "Abzocker" von unseren Firmen fern. Von den im SMI vertretenen Firmen sind weit über 50% der VR-Präsidenten und CEO's Ausländer. Diese Firmen haben in der CH (im Gegensatz zur EU) Arbeitsplätze geschaffen. Von diesen internationalen Playern sind tausende von KMU's abhängig. All das gefährden wir mit der Annahme der Minderini. Verhindern kann sie die Abzockerei aber leider auch nicht! Nicht einmal die 72 Mio von Herr Vasella, weil diese keine Abgangsentschädigung sondern eine (viel zu Hohe) Entschädigung für ein Konkurenzverbot ist. Die Abzocker finden immer eine Lösung. Statt Antrittsprämie überhöhte Löhne.
So wie es aussieht wird aber die berechtigte Wut über einige, wenige Abzocker zur Annahme und damit zur Schwächung unseres Wirtschaftstandortes führen. Man erkennt die Krankheit und aus Verzweiflung und Wut ist jedes Mittel recht. Ungeachtet der Nebenwirkungen.



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60%
(5 Stimmen)
Adrian Engler sagte February 2013

Die Leier, dass Millionengehälter von Managern durch "Leistung" gerechtfertigt seien und jede Kritik daran "Neid" bedeutet, kennen wir langsam. In einigen Fällen mag das sogar stimmen, aber bei Mario Corti ist das wirklich absurd. Die Hauptverantwortlichen​ für die verantwortungslose Expansionspolitik der Swissair, die zur Pleite führte, sind natürlich andere, aber Corti war auch schon eine gewisse Zeit beteiligt. Worin soll die grandiose Leistung von Corti in der kurzen Zeit zwischen der Übernahme der Swissair-Leitung und deren Pleite bestanden haben? Er leitete keine der dringend benötigten Sanierungs- und Sparmassnahmen ein, er redete die katastrophale finanzielle Lage der Swissair schön und versuchte, den Aktionären Sand in die Augen zu streuen. Dafür kassierte er den Lohn von fünf Jahren im Voraus, so dass er bei der Swissair-Pleite persönlich keinerlei finanzielles Risiko einging, während viele Zulieferer kein Geld bekamen. Es ist sicher gerechtfertigt, dass für Arbeitsstellen mit einem höheren Risiko und mit grösserer Verantwortung auch höhere Löhne bezahlt werden. Ein Verhalten wie das von Mario Corti, der sicherstellen wollte, dass er seine Millionen von Swissair von Anfang an im Trockenen hatte und es nicht mehr auf seine Leistung ankam, ist dagegen sicher in den Augen der meisten Menschen inakzeptabel und schafft falsche Anreize. Die Abzockerinitiative wird generell nicht viel gegen überhöhte Manager-Gehälter ausrichten, da diese oft mit dem Einverständnis der Aktionäre bezahlt werden, aber gegen Extremfälle wie bei Corti, in denen sich Manager so absichern wollen, dass sie auch im Fall des totalen Versagens noch hohe Millionenbeträge bekommen (über Goldene Fallschirme oder eben das Vorausbezahlen von Löhnen) können die Bestimmungen der Abzockerinitiative sehr wohl etwas bewirken.

Ich habe nichts dagegen, wenn erfolgreiche Manager grosser Firmen Boni in Millionenhöhe bekommen. Aber wenn jemand wie Corti für ein kurzes Gastspiel an der Spitze einer Firma, während welchem er trotz der katastrophalen Lage der Firma untätig bleibt und versucht, die Situation schönzureden, Millionenbeträge kassiert, stimmt etwas grundsätzliches nicht mehr.

Bekanntlich ist ein Cousin von Corti Filmproduzent, und er liess Michael Steiner einen Film drehen, in dem Cortis Rolle mit einer völlig absurden Verschwörungstheorie weissgewaschen werden sollte. Gemäss "Grounding" soll nicht das Missmanagement von Corti und seinen Vorgängern für die Swissair-Pleite verantwortlich sein, sondern die bösen Banken, die der maroden Swissair nicht noch mehr Geld nachwarfen. Die Banken sind natürlich ein beliebtes Feindbild für populistischen Volkszorn, aber im Fall der Swissair taten sie das Einzige, was man verantworten konnte - zu verhindern, dass noch mehr Geld in dieses Fass ohne Boden fliesst.


A, einige Leute hätten Steiners Märchen, das nicht den Fakten entspricht, lieber gehabt als die Realität. Die Tatsache ist eben, dass Corti sein Millionengehalt nicht für eine Leistung oder ein Risiko bekam, sondern dass er im Voraus sicherstellt, dass es für ihn keinerlei Risiko gibt und er im Gegensatz zu Zulieferfirmen auch dann nichts verliert, wenn die Swissair nach seiner Untätigkeit tatsächlich pleite geht. Wegen solcher Extremfälle wurde die Abzockerinitiative lanciert, und mir erscheint es sinnvoll, nicht gvenerell hohe Manager-Gehälter, sondern speziell solche Fälle, in denen Manager wie Corti profitieren wollen, ohne im Fall des Scheiterns ein Risiko einzugehen, zu verhindern. Dagegen scheint es. Nicht viele Argumente zu haben, aber wenn es darum geht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, ist Michael Steiner gerne zur Stelle, diesmal mit einem völlig absurden und fakten- und argumentfreuen Film, in dem behauptet wird, die Schweiz würde untergehen, wenn die Abzockerinitiative angenommen wird. Nun gut, wer an das Märchen glaubte, Mario Corti habe selbstlos für die Swissair "gekämpft", glaubt vielleicht auch an das apokalyptische Märchen vom Untergang der Schweiz, für den Fall, dass man solche Exzesse künftig verhindert. Eine Mehrheit wird es zum Glück nicht sein, die daran glaubt.


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