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Die Kernthemen der Schweizer Wirtschaft in 2020

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Die Schweiz ist in ein neues Jahrzehnt gestartet. Mit Überschreiten dieser Grenze rückt das Etappenziel im Klimawandel ins Blickfeld, zumal das Thema Klimawandel zurzeit derart polarisiert wie nie zuvor. Neben dem Klimawandel sind in der Schweizer Wirtschaft andere Themen fürs Jahr 2020 brisant: Börse, Immobilien, Rahmenabkommen mit der EU, eventueller Fachkräftemangel. Es ist Zeit, die Kernthemen mit einigen Einschätzungen einer Prüfung zu unterziehen.

 

Wandel​ zur Klimaneutralität

Wie es bei anderen Staaten in Europa der Fall ist, wird hierzulande bis 2050 die Klimaneutralität angestrebt. Dieses Gesamtziel ist mit Etappenzielen versehen, von welchen eines in diesem Jahr erreicht werden soll. Hierbei geht es um das Klimaziel von Kyoto, das seit 1990 für verschiedene Zeiträume neu definiert wird. 2020 sollte im Vergleich zu 1990 eine 20-prozentige Reduktion der Emissionen erfolgen. Während unser Nachbar Deutschland dieses Ziel überraschenderweise erreicht, wird dies hierzulande nicht der Fall sein.

Hauptproblem ist der CO2-Ausstoss der Fahrzeuge. SUVs werden im landesweiten Vergleich als Fahrzeuge präferiert, was dahingehend problematisch ist, als dass diese hohen Emissionen verursachen. Wesentlich besser schneidet die Schweiz bei den Emissionen durch Gebäude ab. Im Vergleich zu 1990 steht hier ein Rückgang von fast 30 % in Relation zu 1990 zu Buche. Experten gehen davon aus, dass insbesondere dieser Trend sich fortsetzt und der Schweiz dazu verhelfen wird, das übergeordnete Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

 

Börse, Zinsen und Konsum

Während wir in unserem Artikel zur Wirtschaftslage 2019 einen skeptischen Blick auf die Börse, Investitionen von Unternehmen sowie den privaten Konsum warfen, belehrte uns die Realität eines Besseren: Die Investitionen nahmen zu, die Wirtschaft entwickelte sich weiter und der Schweizer Leitindex übertraf gar den des US-Marktes und des gesamten europäischen Aktienmarktes. Auch der Konsum der Privatpersonen stieg an. Dieser Anstieg lässt sich durch die florierende Wirtschaft sowie eine grössere Risikobereitschaft, etwa in Form einer gestiegenen Aufnahme von Krediten, erklären. Darüber hinaus zeigten sich Unternehmen investitionsfreudig, was der Niedrigzinsphase geschuldet ist.

Die Frage muss an dieser Stelle jedoch sein, ob das starke Jahr 2019 nicht ein Ausnahmejahr war. Experten spekulieren darauf. Bestseller wie „Der grösste Crash aller Zeiten“ prophezeien sogar eine Weltwirtschaftskrise in allen Bereichen. Doch bei einer nüchternen Betrachtung lassen sich Argumente finden, die die These unterstützen, dass es zu keinem Crash kommen wird, sondern ein neuerliches Wachstum der Wirtschaft zu beobachten sein wird:

  • Wirtschaftsdat​en sind solide
  • Unternehmen sind liquide und gut aufgestellt
  • Mangel an Alternativen zur Geldanlage in Wertpapiere

Dementsp​rechend ist zunächst davon auszugehen, dass die Wirtschaft zulegt. Allerdings ist mit den Präsidentschaftswahle​n in den USA eine Voraussetzung für ein turbulentes Jahr gegeben. So ist mit einem geringeren Wachstum der Wirtschaft als im letzten Jahr zu rechnen.

 

Steigende Immobilienpreise: Fortsetzung in 2020?

Die Immobilienpreise steigen an. So sind im Zehnjahreszeitraum seit 2008 teilweise Steigerungen von bis zu 50 % in einzelnen Kantonen zu beobachten. Allein das vorige Jahr betrachtet, kristallisiert sich für die gesamte Schweiz ein Anstieg der Immobilienpreise um 2,2 % bei Stockwerkeigentum heraus. In folgenden Kantonen war der Anstieg am höchsten:

  • Basel-Stad​t
  • Genf
  • Bern
  • Zürich

B​asel-Stadt bildet mit einem Anstieg der Immobilienpreise in Höhe von 6 % gegenüber dem Vorjahr die Spitze ab. Die niedrigen Zinsen fördern das Engagement der Anleger und Privatnutzer beim Immobilienkauf. Dabei sind allem voran in den Zentren der grossen Städte Immobilien im Ankauf teuer. Zugleich steigt dort die Miete.

Die Betrachtung der steigenden Immobilienpreise wirft die Frage auf, ob eine Immobilienblase platzen könnte. Tatsache ist jedoch, dass in den Zentren eine hohe Nachfrage durch Mieter sowie Kaufinteressenten gegeben ist. Dies will meinen: Es ist viel eher von weiter steigenden Immobilienpreisen auszugehen. Einzig die Wohnungen und Häuser in ländlichen Gebieten sind schwer zu vermarkten. Hier werden wahrscheinlich Senkungen in Kaufpreis und Miete eintreten. Unter Umständen wird sich aber auf lange Sicht wie bei unserem Nachbarn in Deutschland zeigen, dass aufgrund der hohen Mieten in den Zentren der Grossstädte Menschen in ländliche Regionen umsiedeln. Dies hat das Potenzial, auch in ländlichen Gebieten für Miet- und Preissteigerungen zu sorgen. Doch dies ist die langfristige Perspektive… 2020 werden zunächst die Immobilienpreise in den Zentren weiter ansteigen, ohne dass eine Blase platzen würde.

 

Kernpunkt: Rahmenabkommen mit der EU

Die EU und die Schweiz haben ein neues Rahmenabkommen ausgehandelt, mit dem der Warenverkehr geregelt wird. Da die EU der wichtigste Handelspartner der Schweiz ist, besteht eine grosse Notwendigkeit, dieses Rahmenabkommen abzuschliessen. Allerdings ist die Schweiz unzufrieden. Kritikpunkte an dem neuen Rahmenabkommen:

  •     ​    Risiko der Aufweichung des Lohnschutzes durch Arbeitskräfte aus EU-Staaten
  •         Unionsbürgerrichtlini​e macht Personen aus EU-Staaten den Zugang zur Sozialhilfe leichter
  •         EU hat vereinfachte Möglichkeiten, staatliche Beihilfen von den Schweizern einzufordern

Die EU ist nicht bereit zu Nachverhandlungen, wohl aber zu leichten Modifikationen des Rahmenabkommens. Dies wird hierzulande wohl nicht genug sein, da unsere Regierung erwartet, dass die EU einen grösseren Schritt entgegenkommt. Somit ist in diesem Jahr von einem gescheiterten Abkommen auszugehen, was die Import- und Exportzahlen negativ beeinflussen kann.

 

Fachkräfteman​gel: Ein reales Problem?

Der demografische Wandel macht sich bemerkbar. Dies trifft bereits auf das Jahr 2020 zu, ebenso jedoch auf die Folgejahre. Springender Punkt ist der Eintritt der Babyboomer (Geburt zwischen 1946 und 1964) ins Rentenalter. Es kommen dafür weniger Lehrlinge im Arbeitsmarkt nach. Besonders betroffen zeichnen folgende Branchen:

  •         Gesundheit
  •         Landwirtschaft
  •       ​  Transport
  •         Verkehr
  •         Industrie

Allem voran das Gesundheitswesen wird Probleme mit dieser Entwicklung bekommen. Denn während sich in Industrie, Verkehr, Transport und Landwirtschaft Prozesse zum Teil automatisieren lassen, eröffnet die Digitalisierung im Gesundheitswesen nur stark eingeschränkte Möglichkeiten. Im Vordergrund steht hier nach wie vor die Interaktion zwischen Menschen und nicht Menschen und Maschinen. Somit ist insbesondere auf das Gesundheitswesen und dessen Arbeitsmarkt in diesem Jahr ein verstärkter Blick zu werfen.

 

Fazit: Schweizer Wirtschaft bestens positioniert

Ohne es durch die rosarote Brille zu betrachten, bringt das Jahr 2020 für die Schweizer Wirtschaft mehr Positives als Negatives mit sich. Zwar ist das Rahmenabkommen, welches aus Schweizer Sicht nicht unterschriftsreif ist, ein Problem, doch abgesehen davon und mit Blick auf das wahrscheinliche Erreichen der Klimaziele bis 2050 verbleibt ein positiver Eindruck.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(8 Stimmen)
Raschle Felix sagte February 2020

Mit einer Zustimmung zu einer Unionsbürgerrichtlini​e könnte die kleine Schweiz in Armut versinken und sie könnte nichts gegen die Aushöhlung der Sozialsysteme unternehmen.


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40%
(10 Stimmen)
Dany Schweizer sagte February 2020

Ob und welcher Form man tatsächlich ein Problem erhalten soll, ohne ein Rahmenabkommen, kann und wird niemand vorhersehen können. Die Sanktionen der EU bei der Börse hat man auch als "Todesstoss" der Schweiz vorher gesagt, und passiert ist eigentlich nicht wirklich viel.

Die EU ist nicht nur verbunden mit unsere Export, sondern auch mit unserem Import, welcher nahezu gleich hoch ist. Wenn die EU diesen nicht mehr möchten, kann sie das selbstverständlich unterbinden, wird sie aber nicht, genauso wie sie angewiesen ist auf das Verkehrsabkommen.

​Die heutige Sitation zeigt, dass die EU einfach nur ihr Machtgehabe an den Tag legt. Ob das jedoch die Zukunft der EU sein wird, ist fraglich.

Fachkräf​temangel?

Niemand unterbindet dieses Nutzen von Fachkräfte, selbst wenn es keine PFZ gäbe ist dies nicht unterbunden. Nur würden dann endlich NUR Fachkräfte, die wir benötigen "einwandern" können. Heute sind es aber keine Fachkräfte, sondern solche Arbeitskräfte, die unseren Arbeitsmarkt belasten.

Und sorry - aber Verkehr und Transport werden Sie auch mit hyperschnellen Digitalisierung kaum automatisieren können. Oder Sie haben keine Kenntnis über diese Branchen. Der Fahrerlose Transport kann oder mag für Langstrecken funktionieren (ist aber kaum anzunehmen). Aber für den Grossteil (den Verteiler) ist es schlichtweg nicht möglich. Oder Sie verschieben die Arbeiten einfach von der Strasse in die Firmen, Häuser usw. Weniger Arbeit wird's dadurch nicht geben,

Diese sog. z.b. Autonomen Fahrzeuge müssen überwacht, be- und entladen werden usw. Durch die Digitalisierung und Autonomisierung werden immer mehr Fachkräfte benötigt. Diese wird also das Problem nicht lösen, sondern verstärken.


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