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Greece – quo vadis?

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Die ak­tu­el­len Ge­scheh­nisse in Grie­chen­land prägen die stündlich er­schei­nende Schlag­zei­len. Bis wann blei­ben die Ban­ken ge­schlos­sen? Wird Grie­chen­land seine fälligen Schul­den zurückzahlen und wenn ja, wann?

Für spekulative Antworten zu diesen Fragen können verschiedene Tageszeitungen konsultiert werden. Es liegt nicht an mir zu beurteilen, wie die Euro-Gruppe oder PM Tsipras zu handeln haben. Mehr liegt mir am Herzen, zwei grundsätzliche Themen anzusprechen:

1) Die Korrekturfunktion des Marktes ist ausgeschaltet. Spätestens seit die EZB mit einer aggressiven Geldpolitik für mehrere Dutzend Milliarden Euro pro Monat u.a. Ramschpapiere im Markt aufkauft, ist der Marktmechanismus nicht mehr vorhanden. Das Kapital wird durch Fehlanreize getrieben und falsche Handlungen nicht bestraft, da jeweils frisch gedrucktes Geld in marode Strukturen gepumpt wird. Jedes Unternehmen, das schlecht wirtschaftet, realisiert schnell, dass es nicht langfristig überleben kann. Entweder es passt sich den neuen Gegebenheiten an, oder es geht Konkurs. Die Marktteilnehmer belohnen und bestrafen verschiedene Handlungen. Diese wichtige Funktion ist bei den Staaten ausgeschaltet. Private Schulden wurden sozialisiert und Banken aus der Verantwortung genommen.

2) Wer übernimmt die Verantwortung für das angerichtete Schlamassel? Die griechische Regierung wie auch die Euro-Gruppe weisen sich zum Teil zu Recht die Schuld an der aktuellen Situation zu. Es gab viele Verfehlungen und PM Tsipras hat durch seine kompromisslose Politik die Grenzen der EU klar aufgezeigt. Wie bereits bekannte Ökonomen festgestellt haben, ist die EU ein rein politisch motiviertes und starres Konstrukt, welche sich langfristig nicht im Markt bewähren kann. Europa lebt von einer Vielfalt der Kulturen. Kein zentralistisch gesteuertes Projekt kann diese Vielfalt unter einen Hut bringen.

Doch nun zurück zur Frage der Verantwortung. Am härtesten trifft die Krise kurzfristig die griechische Bevölkerung und langfristig die Bevölkerung in sämtlichen EU-Staaten, welche die Folgen der expansiven Geldpolitik durch Geldentwertung zu spüren bekommen. Vermeintlich sichere (staatliche) Vorsorgegelder sind nicht mehr sicher, etliche Bürgerinnen und Bürger sorgen sich (zu Recht) um ihr Sparguthaben. Besonders wir Jungen sollten uns genau überlegen, ob wir unser Vertrauen vollumfänglich dem staatlichen Handeln schenken sollen.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen exemplarisch auf, dass im Kollektiv niemand für politische Entscheidungen Verantwortung übernimmt. Politiker entwickeln Strategien, die mit Jahreszahlen versehen werden (bspw. “Altersvorsorge 2020″, “Energiestrategie 2050″, …). Meistens sind diese nach Erreichen des geplanten Zeithorizonts längst von der Bildfläche verschwunden. Die arbeitende Bevölkerung und Sparer haften dann für deren Entscheide.

Die aktuelle Krise soll uns eines aufzeigen: Freiheit ist an Verantwortung geknüpft. Verantwortung kann jedoch nicht auf beliebig viele Personen ausgeweitet werden. Deshalb ist es angebracht, stets kritisch gegenüber kollektivistischen Plänen zu sein. In erster Linie gilt es, für sich selbst und nahe stehende Personen (vor-)zusorgen, und nicht blind Versprechungen von Politikern zu glauben. Denn sie werden nie die Verantwortung wahrnehmen können, wenn sie die Freiheiten der Bevölkerung einschränken, um ihren politischen Willen durchzusetzen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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40%
(5 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte July 2015

Da kommen 18 Regierungs-Chefs in Brüssel zusammen mit Präsident Tsipras, und der hat nicht einmal einen neuen Vorschlag i.d. Tasche zur Lösung der Krise. Die Präsidentin von Littauen hatte die richtigen Worte dafür gefunden, immer nur hinaus schrauben ohne zu liefern gehe einfach nicht. Und in den baltischen Staaten hätten sie die Renten auf 350/450 € gekürzt, MwSt erhöht auf 24 % ect. und sind so mit eigenen strengen Massnahmen in der Wirtschafts-Krise 2009, selber durch diese Einschränkungen wieder auf die Beine gekommen. Sie sei darum dagegen, dass man Griechenland Schulden erlässt.

1. Das darf die EU auch gar nicht gemäss Vertragsbestimmungen (kein Staat kommt für die Schulden eines anderen auf)

2. Griechenland ist finanziell bereits an die Wand gefahren, ohne weitere Milliarden braucht es Sozialprogramme, damit die Menschen dort jetzt nicht verhungern.

3. Faktisch muss Griechenland aus dem € jetzt sofort austreten, dann müsste aber die deutsche Regierung ihren Bürgern eingestehen, dass die deutschen Steuerzahler für Griechenland 82 Milliarden € los geworden sind, gleichzeitig verlotterte Schulhäuser & Strassen in Deutschland haben, was wohl das Ende der Regierungszeit von BK Merkel wäre.


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43%
(7 Stimmen)
Stefan Pfister sagte July 2015

"Die Renten sind von 850 auf 550 Euro gesenkt worden, die Lehrerlöhne von 1300 auf 800 Euro – bei praktisch gleich bleibenden Preisen. Die Staatsausgaben wurden von 130 auf 90 Milliarden gesenkt. Man stelle sich die Reaktionen vor, wenn in der Schweiz ein Bruchteil dieser Rezessionen verkraftet werden müsste. Und man stelle sich vor, ein EU-Kommissar oder ein deutscher Minister würde der Schweiz diese Massnahmen verordnen. "

http://www.tages​anzeiger.ch/schweiz/s​tandard/Ohne-Schulden​schnitt-geht-es-nicht​/story/18188910


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25%
(4 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte July 2015

Im Falle eines NEIN der Griechen, ist wohl ein Austritt aus dem EURO unvermeidbar.

Wie könne es zum Beispiel sein, dass die griechische orthodoxe Kirche von sämtlichen Steuerzahlungen befreit sei? Eine linke Regierung werde das ändern, ohne die Religionsfreiheit anzutasten. „Es geht nicht darum, der Kirche ihr Existenzrecht streitig zu machen, sondern um ihr Geschäftsmodell, das die Lasten der Krise mittragen muss. Wir müssen diesen Staat endlich in Ordnung bringen.“

Grexit: Was passiert danach ? (Siehe das Video)

http://www.​faz.net/aktuell/polit​ik/ausland/europa/wie​-denken-syriza-waehle​r-ueber-das-referendu​m-am-sonntag-13681723​.html

Der Geburtsfehler und das Kardinalproblem dieses rappeligen Konstruktes „EU“ war und ist - BANKEN von den Steuerzahlern retten zu lassen. Abstruserweise wurde behauptet dies sei „SYSTEMRELEVANT“. Aber genau das GEGENTEIL ist in einer FREIEN MARKTWIRTSCHAFT richtig, daß nämlich, wer Pleite ist „auf die Schnauze fallen“ muß. Dies geschieht vieltausendfach im Alltagsleben, weil normal die Eigenverantwortung das Prinzip i.d. freien Marktwirtschaft ist. Die EU hat die BANKEN jedoch für „heilig“ erklärt, und spätestens jetzt müßten sie selber „auf die Schnauze fallen“, dies wäre nur ehrlich. Aber die Machtkommissare in BRÜSSEL können die neuen Herausforderungen nicht verstehen, ebenso wenig wie sie die alten verstanden haben.






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40%
(5 Stimmen)
Kurt Baumeler sagte July 2015

Genau, man soll die Wirtschafts Griechenland in Ruhe lassen und nicht -dann noch via EU-Staaten überregulieren und mit Forderungen weiter lähmen. So wie es Linke mit deren sozialistischen Ideen wollen.

Das der Scherbenhaufen welche die Griechen erst dorthin geführt hat (sozialistischer Staat, starke Gewerkschaft, hohe Staatsausgaben für Staatsangestellte etc.) aufgeräumt gehört ist klar. Aber nicht mit Bestimmungen der EU, diese Reinigung soll von den Griechen für Griechenland alleine kommen.


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43%
(7 Stimmen)
Stefan Pfister sagte July 2015

"Die Schlussfolgerung aus diesen Überlegungen ist bitter: Man kann mit konservativen Parteien (und mit hasenfüßigen Sozialdemokraten genau so wenig) keinen Weg aus der Krise der Europäischen Währungsunion finden, ja, man kann mit ihnen überhaupt keine große und relativ geschlossene Volkswirtschaft wie die europäische lenken. "

http://www.flass​beck-economics.de/das​-luegen-der-herrschen​den-kreise-und-die-in​nere-logik-der-krise/​


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25%
(4 Stimmen)
Lars von Lima sagte July 2015

Neueste Aussagen - gem. neuer Handelszeitung - stellen die Frage, was geschieht, wenn sich die GR Regierung der GR Zentralbank 'bemächtigt' und selbst EURO druckt.

Ich schliesse auch das nicht mehr aus. Dann haben wir es also: den Südeuro und Nordeuro. Damit müssten sich die 'Nord-Euroler' überlegen, was sie dann tun wollen. Das ganze ist nur noch EU lächerlich.


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71%
(7 Stimmen)
Stefan Pfister sagte July 2015



Die Ökonomen sehen das Problem nicht in Griechenland, sondern bei den Gläubigern.

"Die griechische Regierung will nur das Selbstverständliche: ein Ende der gescheiterten Sparpolitik. "

Heiner Flassbeck im Tagesgespräch

http​​://www.srf.ch/sendun​g​en/tagesgespraech/h​ei​ner-flassbeck-bei-​ein​em-grexit-ist-die​-eu-​am-ende

"Deut​schla​nd hat seine Schulden nie bezahlt"

Kurzfassu​​ng von Pikettys Sicht
http://forum.f​​inanzen.ch/forum/Deu​t​schland_hat_seine_S​ch​ulden_nie_zurueckb​eza​hlt-t524389

Au​sfüh​rlicher:
http:/​/www.​zeit.de/2015/26​/thoma​s-piketty-schu​lden-gr​iechenland


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50%
(6 Stimmen)
Emil Huber sagte July 2015

Es würde sich schon mal lohnen zu sehen, woher überhaupt die finanziellen "Hilfsmittel" herkommen, sprich wer die "Investoren" sind.
Da hätten wir einmal den IWF, Hauptsitz in Washington DC.
Über diesen Verein erfährt man nicht viel schmeichelhaftes:

​Wikipedia:
Bedingung​en für die Gewährung von Krediten sind zum Beispiel: Kürzung der Staatsausgaben, niedrige Inflation, Steigerung des Exports sowie Liberalisierung des Bankenwesens.
Die den Staaten auferlegten Bedingungen in Form von Strukturanpassungspro​grammen (SAP) können zum Beispiel Privatisierung von öffentlichen Einrichtungen wie Sparkassen, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Telekommunikation usw. sowie Entlassung von bestimmten Gruppen von Mitarbeitern vorsehen.
Mit anderen Worten durch Kreditgeld zu hohen Zinsen lässt man ein Land ausbluten und die lukrativen Teile werden dann privatisiert und Preise saftig erhöht z.B Wasser, Strom

Der Ex IWF Chef Joseph Stiglitz wurde vom IWF gefeuert als er mit einem Buch "Die Schatten der Globalisierung (im Original Globalization and Its Discontents)"
über die Machenschaften hinwies: Stiglitz wurde in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Kritiker von IWF und Weltbank. Seine Analysen sind insbesondere deswegen interessant, weil sie von einem "Insider" stammen: Stiglitz war von 1997 bis 1999 Chefökonom der Weltbank und hat daher hautnah erlebt, wie die Entscheidungsfindung in IWF und Weltbank funktioniert und welchen Interessen diese beiden Institutionen zum Durchbruch verhelfen bzw. welche unter die Räder kommen.
Verwunderlich ist es aber, dass er die Politik des IWF erst erkannt hat, als er seine Tätigkeit im Dienst der Weltbank aufgenommen hat. So schreibt er, er "hätte es sich nie träumen lassen, dass eines der größten Hindernisse für die Entwicklungsländer"(S​. 39) - der IWF sei. Als Stiglitz dies feststellte, konnte man schon auf eineinhalb Jahrzehnte verfehlter neoliberaler Strukturanpassungspro​gramme des IWF in Lateinamerika zurückblicken, die zwar den Staaten ein neoliberales Wirtschaftsmodell aufzwangen, nicht aber den Lebensstandard der Menschen verbessert oder die Verschuldung reduziert hätten.

Auch der verstorbene Bankier Ferdinand Lips sah im IWF nichts Gutes, als die Schweiz 1992 dem IWF beitrat meinte er:
Mit dem Beitritt zu Bretton-Woods-Institu​tionen wurde der Schweizer Franken als letzte Währung von der Golddeckung gelöst. "Die Schäden für das Land sind zwar noch nicht offensichtlich", schreibt Ferdinand Lips, "ABER DER IWF HAT IN ANDEREN LÄNDERN EINE VERWÜSTUNGSSCHNEISE IN DIE VOLKSWIRTSCHAFTEN GEHAUEN, WIE DIE B-52-BOMBER AUF DEN KRIEGSSCHAUPLÄTZEN. Auf jeden Fall ist die Schweiz nicht frei, ihre Währungs- und Finanzpolitik unter Gemeinwohlaspekten selbst zu gestalten."

Und Ex Br. Blocher schrieb:
"Der IWF ist heute eine andere Institution als jene, zu der das Volk 1992 den Beitritt genehmigt hat. Der IWF von heute reisst immer mehr Macht an sich, will immer mehr kontrollieren und regulieren. Doch niemand weiss, wie man den IWF retten würde, wenn dieser selber ins Wanken gerät. Die IWF-Aufstockung um 16,5 Milliarden Franken durch die Schweiz ist vom Ständerat im Handumdrehen bewilligt worden und wird wohl auch im Nationalrat genehmigt."

http:/​/www.schweizerzeit.ch​/cms/index.php?page=/​news/milliarden_fuer_​den_iwf-73

Hoffent​lich beginnen nicht einmal in der Schweiz ähnliche fruchtlose Sparübungen wie sie der IWF "verordnet"

Ein griechischer Arzt berichtet: «Wer kein Geld hat, der stirbt»

http://www​.zeit-fragen.ch/index​.php?id=2175

Argen​tinien dagegen erklärte den Staatsbankrott und nahm keine Gelder mehr vom IWF:

BUENOS AIRES taz | Zahlungsunfähig, Staatsbankrott, Abwertung – diese Vokabeln gehören in Argentinien zum Alltagswortschatz. Dabei steht das Land heute ganz gut da: Die Staatsschulden machen 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts​, also der Wirtschaftsleistung eines Jahres, aus. Damit sieht sich die Präsidentin Cristina Kirchner als Herrin der Lage.

Ende 2001 betrugen die Staatsschulden noch 153 Milliarden US-Dollar, 151 Prozent des BIP, das Staatsdefizit lag in Milliardenhöhe. Massenproteste und Plünderungen waren an der Tagesordnung, Präsident Fernando de la Rúa wurde aus dem Amt gejagt.

Die Wirtschaft schrumpfte um 11 Prozent. Das Bauwesen brach um über 40 Prozent ein, den Handel und die Banken traf es mit 25 Prozent. Rund die Hälfte der 40 Millionen Argentinierinnen fand sich bald unter der Armutsgrenze wieder. Es entwickelte sich eine parallele bargeldlose Tauschwirtschaft.
Ab​kopplung vom Dollar
Im Januar 2002 erklärte der neu eingesetzte Präsident Eduardo Duhalde das Land für zahlungsunfähig, stellte den Schuldendienst ein und koppelte den Peso vom Dollar ab. Binnen weniger Wochen verlor der Peso rund 70 Prozent seines Wertes.
Weil die Aufhebung des festen Wechselkurses allein keine Lösung war, sprach Wirtschaftsminister Roberto Lavagna beim Internationalen Währungsfonds (IWF) vor, dessen Musterschüler Argentinien bis dato war – und erklärte, künftig kein Geld mehr aus Washington zu wollen.
Der Fonds schütze ohnehin nur die Interessen des Finanzsektors. Mit Steuererhöhungen und Einsparungen bei Löhnen und Renten soll ein Haushaltsüberschuss erzielt werden, mit dem man die Gläubiger auszahlen kann. Lavagna: "Ich musste es dreimal wiederholen. Der damalige IWF-Chef Horst Köhler konnte nicht begreifen, dass wir keine weiteren Mittel abfragen werden."
Die Regierung kurbelte Produktion und Arbeit mit Konjunkturpaketen an und dämmte die Inflation ein. Die daraus stammenden neuen Steuereinnahmen und sinkende Ausgaben für soziale Notprogramme entspannten den Haushalt. In Rekordzeit erzielte Argentinien einen Überschuss.

http:/​/www.taz.de/!5103851/​





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57%
(7 Stimmen)
Stefan Pfister sagte July 2015

@Andri Silberschmidt
Sie reden von einem "starren Konstrukt". Ich sehe es ähnlich, rede aber lieber von Sturheit oder ideologischer Verblendung. Und zwar nicht nur in der EU, sondern vor allem auch im IWF: Da wird mit einer Sturheit den Griechen ein neoliberales Programm aufgezwungen, von dem jeder weiss, dass es die SItuation nur verschlimmert. übrigens dieselben Rezepte, die Ihre FDP auch gerne vertritt. Das Hauptproblem Griechenlands ist, dass es wählen kann zwischen einem Ende mit Schrecken (Austritt aus der EU oderr zumindest aus dem Euro) oder einem Schrecken ohne Ende (tödliche "Therapie" durch immer weitere "Reformen", die dem Volk und der Wirtschaft schaden). Das beschäftigt die Griechen. Ob sie dem FDJP-Credo nach dem unbefleckten Markt genügen, interessiert sie wohl herzlich wenig.
Der freie Markt existiert sowieso nur in der Theorie. Und das ist auch der einzige Ort, an dem er funktioniert. Gerade dieser Glaube, dass der Markt alle Probleme löst, ist ein Teil des Problems.


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33%
(12 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte July 2015

Die Griechen zeigen z. Zt., wie mit der EU umzuspringen ist. Wäre Tsipras der Aussenminister der Schweiz, würde die EU sofort ein Beitrittsgesuch an die Schweiz stellen. Es gibt nur eine Sprache, welche die EU versteht: Die Sprache der Macht. Griechenland ist - im Gegensatz zur Schweiz - gegenüber der EU völlig machtlos weil sie auf weitere Milliarden (zusätzlich zu den bisherigen 240 Mia. €) weiterhin angewiesen sind, und trotzdem tanzen Merkel und Junker nach dessen Pfeife. Die Unterwürfigkeit des jetzigen Bundesrates, dessen unerträgliche Kriecherei und Feigheit, ist schon fast Landesverrat.


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33%
(9 Stimmen)
Lars von Lima sagte June 2015

1. Das EU / EZB ELA Programm


Das ELA-Programm der EZB ist ein Notfallinstrument im europäischen Zentralbankensystem. Es richtet sich an Banken, die sich zeitweise in einer außergewöhnlichen Situation befinden. Die Abkürzung ELA steht für die englische Bezeichnung "Emergency Liquidity Assistance".

Für Griechenland sind die Hilfen zuletzt immer wichtiger geworden, da seit Amtsantritt der Regierung Tsipras Anfang 2015 verunsicherte Bürger vermehrt Bargeld von ihren Banken abheben. Ohne die ELA-Kredite würde das Finanzsystem des Landes zusammenbrechen.

G​rundsätzlich müssen die betroffenen Banken die ELA-Kredite bei Zentralbank ihres Landes beantragen. Ab einer gewissen Höhe - so wie im jetzigen Fall bei Griechenland - muss der EZB-Rat seine Zustimmung geben. Nicht kreditwürdige Banken können nicht auf Unterstützung aus dem ELA-Programm hoffen.

Die Notkredite sind an Bedingungen geknüpft, die Banken müssen Sicherheiten hinterlegen. Nach dem Bruch der Athener Regierung mit ihren Gläubigern könnten diese Sicherheiten weggefallen sein. Die Entscheidung über eine Fortsetzung fällt der EZB-Rat mit Zweidrittelmehrheit.



2. 'Verhandlungsverhalte​n der Regierung Zipras samt 'Referendum'


Zip​ras hat am Samstag seinen Fi.-Minister aus der laufenden Sitzung der EU Fi.-Minister per SMS heraus geholt. Die Verhandlungen wurden demnach einseitig von GR unterbrochen. Das bis dahin vorliegende EU Papier war also bis dann der dokumentierte Verhandlungsstand, der aber nicht von allen Seiten offiziell sanktioniert worden war und nun von GR durch Abbruch der Verhandlungen zurückgewiesen wurde.

Die Ankündigung eines Referendum von Zipras hätte bereits vor Wochen in die Verhandlungen einfliessen müssen. Aber: über was genau stimmen eigentlich die Griechen genau ab? Über einen Verhandlungssuddel?! Wäre das nicht die Realität, müsste man lauthals lachen. Aber das bleibt einem im Hals stecken.


3. Verhalten der EU / EZB 'Putsch'?


Wir sehen wir eine EU, die über ein 3. Paket verhandelt, also EURO 7.4 mia. und gleichzeitig eine EZB, die hinten herum via sog. ELA Gelder weitere EURO 90 mia. nach GR gepumpt hat. Warum verhandelt eigentlich die EU noch. Die EZB ist doch dabei, die Macht an sich zu reissen. Das kommt einem, noch, stillen Putsch gleich.


4. Fehlende Insolvenzvereinbarung​


Ausserdem zeigt sich jetzt, dass diese alternativlose EU keine Insolvenzvereinbarung​ getroffen hat, für Fälle wie GR. Und ab diesem Punkt wird es nun lächerlich.


5. IWF Kredite - Rückzahlung von Griechenland


Und​ Zipras hat diesen unfähigen EU Regulationsladen durchschaut. Er kauft sich per Abstimmung Zeit, will morgen die IWF Tranche auch nicht zurück bezahlen (das Geld braucht er für Löhne).

So bedient sich, es hat den Anscheint, diese GR Regierung eines EZB Geldschüttungsdehungs​mechanismus. Und das ist die EU Unglaublichkeit, die wir hier sehen: ein klassische Bail-Out der EZB. Und genau das ist nach Lissabonvertrag nicht gestattet.


6. IWF Kredite der Schweiz von 2013 für Griechenland


Was​ geschieht mit den von BR EWS gewährten CHF 10 mia. Extrakredit an den IWF für Griechenland? Kann sich die Schweiz darauf vorbereiten, dass das Geld futsch ist?


7. Fragen für die Schweiz


Und nun Herr Siberschmidt, wie stellt sich die FDP nun zu diesem 'rührigen' EU Laden, der sich selbst nicht mehr im Griff hat?

Sollte BR Burckhalter nämlich dem Volk 2016 einen Ablösungspaket für die Bilateralen vorlegen, ist das mit grosser Sicherheit so umfangreich wie undurchsichtig, wie die Abstimmungsvorlage, über die die GR nun entscheiden sollen. SP BR Calmys damalige PFZ Schönrederei reicht mir für einmal völlig!

Was die deutsche SPD samt grünen 2000 (Alt BK Schröder und Hans Eichel SPD, Joschka Ficher / Grüne), im Zusammenhang mit dem, wider besseres Wissen (Lügen der Goldmann Sachs und gefälschte GR Zahlen), gewollten Eintritt Griechenlands in die EU gemacht hat, wurde einmal mehr dieser Tag auf Phoenix TV. Himmelschreiend ist nur noch Nettigkeit. Kriminell wäre sachgerechter. Die wurden aber nie zur Verantwortung gezogen. ESM usw. folgten anschliessend, mit unabsehbaren Haftungsfragen.

So​llte die Schweiz auch nur den Hauch einer Anwandelung haben, sich in diesen EU Laden weiter einwickeln zu lassen, wird ihr das um die Ohren fliegen, denn in der EU gilt nun das US Prinzip 'Recht des Stärkeren'.

Jenseits von Zipras Verhalten stellt sich nämlich auch die Frage, wie die EU mit dem viel gepriesenen europäischen Gedanken umgeht als Tragik der Inhaltslosen und alternativlosen Betoneuroisten. Diese EU führt sich selbst vor!


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