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SPS und FDP - Zwillinge beim Wählerverlust

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SPS und FDP - Zwil­linge beim Wählerverlust

(Quelle: Bundesamt für Statistik, Statistik der Nationalratswahlen)

O​der sollte man besser vom Balken im eigenen Auge reden? Am 19.01.2018 veröffentlichte die Basler Zeitung den Vortrag, den Hans-Jürg Fehr am 100.-Jahr Jubiläum der FDP Meilen (ZH) als Gastredner hielt. Er trifft den Nagel wohl meistens auf den Kopf. Aber stimmt seine Aussage, die Partei habe über die letzten 30 Jahre einen Wählerverlust von "fast 50%" erlebt? Laut den offiziellen Eidg. Statistiken betrug ihr Wähleranteilim Jahr 1983, also vor rund 30 Jahren, 23.9%, bei den letzten Wahlen 2015 noch 16.4%. Das ist ein Verlust von 31.3%.

Ihren Höhepunkt an Wähleranteilen mit 28.8% hatte die FDP im Jahr 1919 erreicht. Es ging dann langsam bergab und schwankte während der folgenden Jahrzehnte bis 1991 so um die 22-24%. Dann begann eine weitere Phase des Abstiegs bis 2011. Dann erfolgte wieder ein leichter Aufstieg um 8.6%, allerdings ab tiefem Pegel. In den Wahlen 2015 hatte sie gegenüber ihrem Gipfel von 1919 43% verloren, viel, aber immer noch nicht "fast 50%".

Mit 28.7%, fast soviel wie die FDP während ihres Maximums,  erreichte die SPS ihren Höhepunkt in den Nationalratswahlen von 1931 (Weltwirtschaftskrise​). Sie blieb dann bis 1963 mit jeweils rund 26-27% wählerstärkste Partei. 1943, im 2. Weltkrieg, erreichte sie nochmals ein Hoch mit 28.6%. Sie wurde in diesen schwierigen Jahren als staatstragende, die Landesverteidigung aber auch die schwachen Teile der Bevölkerung unterstützende Partei wahrgenommen. Dann begann der Abstieg auf noch 18.8% im Jahr 2015.

Vergleichen wir auch diese Zeit mit der vor rund 30 Jahren, d.h. mit den Wahlen von 1983, als sie 26.6% erreichte, so beträgt ihr Verlust an Wähleranteilen bis 2015 29.3%. Seit ihrem Gipfel von 1931 bis 2015 hat sie 34.5% Wähleranteil verloren. Aus Sicht der Partei sollte vielleicht auch eine in die Tiefe gehende, umfassende Debatte darüber stattfinden, warum dieser Absturz erfolgte und was tun, um wieder zum Gipfelstürmer zu werden. Herr Hans-Jürg Fehr könnte sie leiten. Mit seiner Analyse der FDP hat er viel Erfahrung gesammelt.

 

Gotthard​ Frick, Bottmingen

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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29%
(7 Stimmen)
Ernst Jacob sagte January 2018

Als die Kommunisten, die ehemaligen Erzfeinde aller Demokraten, die diesseits des rostigen Vorhang lebten, wieder ihren politischen Platz in Berlin und anderswo einnahmen, war das offenbar ja ganz normal. Dass aber damit ein genereller Linksrutsch stattfand, wollte offenbar auch in unserem Land niemand zur Kenntnis nehmen. Links war ja zwischenzeitlich vom rechtlosen Büezer zum Club der Lieben, Netten und Multisexuellen mutiert. Und die Grünen im Land stehen ja auch links, und möchten den Staat zum Herrscher über alle Dinge machen.

Und der einzige Krieg, den die Mehrheit der Frauen offanbar noch als legitim empfindet, ist ja der, der laut Statistik mehr als die Hälfte aller geschlossenen Ehen zerstört. Und bei einem nicht unerheblichen Teil der Nachkommenschaft zu bleibenden Folge-Schäden führt. Auch das wäre ja ein ganz anderes Thema, und hat mit Extremismus nichts zu tun.

Und am Allerwenigsten merkten es offanbar die deutschen Roten, zumindest, bis sie jetzt nach den letzten Wahlen plötzlich feststellen mussten, wohl die Einen nach ganz Links, und die Anderen nach ganz Rechts verloren zu haben. Aber auch daran ist natürlich nur die Rechte schuld, denn die Linken sind ja heute Freunde, zumindest nach aussen hin, auch wenn diese sich ja eigentlich eine ganz andere Politik wünschen, als Hellrot dies tut.

Aber in Bayern hat es halt trotzdem nicht funktioniert, obwohl dort ja bereits eine Rechte seit Jahrzehnten schon herrscht. Aber halt auch nur Eine, die immer darauf achten muss, ja nichts zu sagen, was auch nur den Anschein von Nationalismus in sich trägt, um nicht sofort als Nazi's verbrüllt zu werden. Und es hat ja auch ausgestrahlt, gegen Süden zumindest, es gibt ja auch Mengen von Linken in unserem Land, die unsere Rechten ganz unverholen, und ungestraft dazu, als NAZI's bezeichnen.

Man wird in DE nicht fertig mit der eigenen Vergangenheit, es leben wohl noch zu Viele, an deren Kleider Blut klebt, oder dann hat man selber Vorfahren, die damals mit Ueberzeugung HEIL schrieen, und auch Solche, die ganz gewaltig davon profitiertern, Vermögen, die es bis heute gibt, und solche, die die Basis zum neuen Wohlstand schufen.

Aber es ist auch kein Wunder, denn Deutschland wurde Mitglied des westlichen Bündnisses, und so zum Freund der ehemaligen Feinde, und so war es natürlich sehr einfach, sich dann zu den Guten zählen zu dürfen, man hatte ja einen neuen und gemeinsamen Feind, den es von da an zu bekämpfen galt.

Und heute bekämpft man halt wieder den Feind im eigenen Land. Nur hat es jetzt wieder gedreht, diie Deutschen im Osten waren offenbar ja auch gar nie richtige Kommunisten, sondern immer nur bestrebt, es mit den Russen nicht zu vermiesen. So, wie die Westler ja vielleicht auch nie richtige Kapitalisten waren, oder gar wie die US-Republikaner, mit Ausnahme vielleicht derer aus Bayern. Und Industrielle waren ja sowieso nie politisich interessiert, denn Geld kann man, wenn man es richtig macht, mit allen Seiten verdienen.

Aber es gibt auch Licht im Osten, und die Austerlitzer machen es jetzt vor, das, was, rein nach sachlichen Ueberlegungen, ja auch die CSU/CDU/FDP hätte machen sollen. Mit der AFD zusämmen hätte man eine Mehrheit gehabt, und damit eine richtig Bürgerliche dazu. Aber was nicht sein darf, das darf nicht sein, in einem Land, welches sich doch eigentlich eine Demokratie nennt.

Und so mauschelt man weiter, und macht sich, und Anderen, etwas vor, auch noch 75 Jahre nach dem Krieg, um so ja nicht den Eindruck zu erwecken, zumindest etwas aus der jüngeren Geschichte gelernt zu haben.

Aber wir haben ja trotzdem keinen Grund, uns besser zu fühlen. Auch unsere Medien stempeln sofort Alle zu Nazi's, wenn sich auch nur eine einzige Möglichkeit dazu bietet. Aber auch das ist ein anderes Thema, auch wenn es auf den genau gleichen Ursachen basiert, wie die deutsche Problematik ja auch.

Auch wenn momentan Alle so tun, als wäre es ihr grösstes Anliegen, mit dem zwangsbezahlten Erhalt der heutigen SRG ja nur unsere Nation, Kultur, Religion und Heimat gegen die Einflüsse der bösen ausländischen Mächte zu schützen.

Der Adolf wollte nämlich auch nicht mehr, damals. Und Auch die Begründer des Kommunismus nicht. Und sogar Donald Trump will, dass sein Land zuerst kommt. Aber das ist natürlich alles ganz etwas Anderes, und hat mit der No Billag Initiative überhaupt nichts zu tun.

Meinen sicher auch Die, die jetzt wieder so laut nach Staat und Gesetzen schreien, der Einzige, der dauernden Schaden an Volk, Heimat, und Nation noch verhindern könne. Auch wenn es ja längst nur noch einen Teil des 'Volkes' betrifft, der zudem ja immer auch nur noch schrumpft.

Aber vielleicht hat man ja auch genau deswegen derart Angst. Wer weiss es schon ...


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83%
(6 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte January 2018

SP und FDP haben sich jedenfalls viel besser gehalten, als die Counterparts in Deutschland (SPD und FDP) oder in den USA (Democrats), oder Grossbritanniens (Labour).

Ursachen​
1. Neoliberalismus: Der Neoliberalismus - als Angriff auf Politik und Gesellschaft (Chomsky) - ist langfristig geplant und insbesondere durch das Studium der damals erfolgreichen Strategie der Sozialdemokratie begründet. Wenn die Sozialdemokraten wieder die Oberhand gewinnen möchten, müssen Sie herausfinden, wie sie ganz gezielt durch neoliberale Taktiken ausgehebelt worden sind - und immer noch werden.

2. Ziel der Wählervergrösserung auf Kosten sozialdemokratischer Ziele (US, Germany, GB)
Vor allem im Wahlkampf von Clinton, aber auch von Blair hat man sich auf die "Swing States" konzentriert: Man hat Abstriche in der eigenen Politik gemacht, um "unentschiedene Wähler" für sich gewinnen zu können. Resultat: Die sozialdemokratischen Parteien haben sich inhaltlich den wirtschaftsliberalen und rechten Parteien angenähert - mit Aufgabe typisch sozialdemokratischer Inhalte.
In den USA, in Grossbritannien und besonders in Deutschland sind die Sozialdemokraten dadurch selbst neoliberal geworden (Bündnis für Arbeit, Agenda 2010). Die SP in der Schweiz hat diesen Fehler nicht gemacht.
Gesamthaft ist die ganze Politik in den USA und in Deutschland weit nach rechts gerückt. Man sieht dies oft sehr schön, wenn man Statements älterer Politiker (aller Parteien) mit Statements heutiger Politiker vergleicht.
Speziell​ in den USA gibts ne Menge älterer Politiker (Dem & Rep - ganz egal) deren Statements bezogen auf heutige Verhältnisse sehr weit links liegen.

In Grossbritannien erwarte ich, dass Labour dank Corbyn wieder an die Macht kommen wird. Klarer Fall :-)


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50%
(10 Stimmen)
jürg wolfensperger sagte January 2018

Ich denke,die SP-Schweiz sollte sich mal in Basel-Stadt umhören und hingucken,wie pragmatisch dort die Sozialisten schon seit zig Jahren Regierungs-Verantwort​ung tragen.Ohne grosse ideologische Scheuklappen,werden dort auch sog. "bürgerliche" Anliegen,auf`s Tapet gebracht und durchdiskutiert.Und ganz wichtig!Diesen linken Terror-Mob endlich mal und endgültig auflösen und deren Schandtaten gehörig brandmarken und deren Rädelsführer an die harte Kandarre nehmen..!Damit könnten sie viele "wahre" Sozis wieder ins "Boot" zurück holen...!..die Frage ist halt nur..!....wollen sie das überhaupt..???..oder ist das einfach ihr langer Arm,womit man nicht genehme Meinungen mundtot machen will?Das Ausladen von von "nicht" genehmen Referenten an Universitäten nach Androhung von Gewalt?...Morddrohung​en gegen nicht genehme Staatsvertreter?usw. Das sind leider keine erfolgsversprechenden​ Varianten,um zu alter Stärke zu finden.Zu offensichtlich gehen deren "Drahtzieher" auch in demokratischen Parlamenten ein und aus.Ich denke,soo wird die SP weiter in der Wählergunst absacken..!..selber schuld...!!


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71%
(7 Stimmen)
jan eberhart sagte January 2018

Derzeit gibt es Umfragen, die die CVP unter 10% sehen. Die FDP bleibt bei 17% und auch die SP kann den Wählteranteil halten. Die SVP kann je nach Umfrage mit leichten Zuwachs rechnen.

Ein wichtiger Grund für den Wählerverlust: 1918 wurde das Proporzsystem im Nationalrat eingeführt, was der FDP die absolute Mehrheit kostete.

Mit dem Majorzsystem hätten es die grossen Parteien im NR deutlich leichter und die kleinen Parteien kaum eine Chance. Siehe GB, wo es de facto nur 2 Parteien gibt (+ Regionalparteien wie die DUP oder SNP).


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