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Täuschung als Geschäftsmodell

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Dass VW die Ab­gas­mes­sun­gen von Die­sel­fahr­zeu­gen weltweit und mil­lio­nen­fach ma­ni­pu­liert hat ist Fakt. Wer aber meint, damit habe es sein Be­wen­den, muss zur Kennt­nis neh­men, dass an­dere Kon­zerne ge­nauso oder noch dreis­ter ma­ni­pu­lie­ren. Sys­te­ma­ti­sche Täu­schung der Kun­din­nen und Kun­den ist of­fen­bar Ge­schäfts­mo­dell in Tei­len der Au­to­mo­bil­in­dus­t​rie. In einer In­ter­pel­la­tion habe ich den Bun­des­rat an­ge­fragt, ob er be­reit ist, sol­chen Fahr­zeu­gen die Zu­las­sung in der Schweiz zu ver­wei­gern, wie das in einem Ab­kom­men zwi­schen der Schweiz und der EU vor­ge­se­hen ist.

Vor gut fünf Jahren stand ich vor dem Kauf eines neuen Autos. Energieeffizienz und geringer Schadstoffausstoss standen oben auf meiner Prioritätenliste. Der Entscheid fiel auf einen VW Polo Diesel mit Partikelfilter. Jahre später musste ich feststellen: mein Kleinwagen stösst wesentlich mehr Schadstoffe aus als ein moderner Lastwagen. Mit dem Einsatz von betrügerischer Software hat VW die Kundinnen und Kunden weltweit und millionenfach getäuscht. Rund 180'000 Autos der Volkswagengruppe sind in der Schweiz davon betroffen. Damit aber nicht genug. Andere Konzerne manipulieren genauso. Im Prüfmodus werden Abgaswerte vorgegaukelt, die im Fahrmodus auf der Strasse massiv überschritten werden. Möglich wird das z.B. durch Einrichtungen zur Abschaltung der Abgasreinigung. Das Auto des Jahres 2017 etwa, der Renault Mégane überschreitet, gemäss Messungen der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), den Stickoxidausstoss um das 17fache! Besonders stossend für die Schweiz ist, dass Abgasreinigungsanlage​n unterhalb einer bestimmten Temperatur ausgeschaltet werden, z.T. bereits unter 17°C, oder über einer Höhe von 850 m.ü.M., wie auch 22 Minuten nach Fahrtbeginn (genau 2 Minuten nach dem gesetzlich vorgeschriebenen 20-minütigen Messzyklus). Ein Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages kommt zum Schluss, dass solche Abschalteinrichtungen​ in PKWs Illegal sind. Denn gemäss der auch von der Schweiz übernommenen EU-Verordnung 2007/715, Art. 4 sind Auspuffemissionen während der gesamten normalen Lebensdauer eines Fahrzeuges bei normalen Nutzungsbedingungen wirkungsvoll zu begrenzen.

Solcherart​ manipulierte Fahrzeuge tragen in der Schweiz - abgesehen von der Täuschung der Käuferinnen und Käufer - wesentlich dazu bei, dass die Stickoxid-Belastung in Städten und auch kleineren Orten entlang der Hauptverkehrsachsen permanent zu hoch ist (vgl. NABEL Luftbelastung 2015, S.33). Trotzdem hat die Schweiz bis heute keine Importbeschränkungen gegen solche Dreckfahrzeuge, welche die zulässigen Grenzwerte massiv überschreiten erlassen. Und das, obwohl das Abkommen Schweiz-EU ausdrücklich festhält, dass neuen Fahrzeugen, welche die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ernsthaft gefährden, die Zulassung, oder deren Verkauf oder die Inbetriebnahme für eine Dauer von sechs Monaten untersagt werden kann.

In einer Interpellation wollte ich vom Bundesrat u.a. wissen, ob er bereit sei, von den Handlungsmöglichkeite​n des Abkommens Gebrauch zu machen. Höchste Zeit wäre es! Denn eine derart krasse Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten, verbunden mit erheblicher, vorsätzlicher Umweltbelastung gehört per sofort unterbunden.

In seiner am 15. Februar 2017 veröffentlichten Antwort hält der Bundesrat fest, dass er sich vorbehält, von den Handlungsmöglichkeite​n des Abkommens Gebrauch zu machen, wenn ein Neuwagen-Modell die Umwelt oder die öffentliche Gesundheit ernsthaft gefährdet. Erstaunlicherweise stellt der Bundesrat in seiner Antwort aber auch fest, dass bis heute keine entsprechenden Prüfungen stattgefunden haben. Und das, obwohl die Empa solche Messungen gemacht hat. Genügen diese Messungen dem Bundesrat aus mir unbekannten Gründen nicht, so ist es höchste Zeit, dass er solche veranlasst. Denn mit Passivität und Wegschauen lassen sich die systematischen Täuschungen und Umgehungsmanöver der Automobilindustrie nicht beseitigen. Auch Passivität kann sich zum Skandal entwickeln!

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(6 Stimmen)
Elsi D. Stutz sagte April 2017

Wie finanzieren eigentlich deutsche Politiker ihren Wahlkampf? Ähnlich wie in den USA, wo sogenannt "gemeinnützige Organisationen" das Schmiergeld der Konzerne und Clans waschen, bevor sie es für den Wahlkampf von Politikern und Richtern spenden? Wenn man die Doku in ZDF Historie gestern gesehen hat, wird einem klar, wieso wir Verbraucher mit der Co2 Story munter abkassiert werden, als wäre die Erderwärmung mit Geld zu stoppen. Und gleichzeitig muter Dreckschleudern produziert werden, ohne das irgend einen kratzt.

Das einzige was in diesem Game nicht käuflich ist, ist die Natur! Bienen sind es wohl auch nicht! Aber mit deren Aussterben, lässt sich offenbar halt kein Geld verdienen. Oder mit leer gefischten Meeren und einem Plastik-müll-Kontinen​t.

Der Mensch, ich bezogen wie er nun mal ist, sieht nur die Küstengebiete die dereinst ev. untergehen könnten. Die Natur wird ein paar Milliarden weniger Homosapiens jedoch locker verkraften, selbst unser Aussterben schadet der Natur nicht.... Also müsste das eigentlich nicht Klima oder Naturschutz heissen sondern EGOISMUS MIT SCHEUPKLAPPEN. Die Welt geht sowieso bachab, aber Hauptsache das Klima erwärmt sich dabei nicht! Weil DAS den Menschen, Milliarden kosten würde....



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70%
(10 Stimmen)
Dany Schweizer sagte April 2017

Herr Vogler

" mein Kleinwagen stösst wesentlich mehr Schadstoffe aus als ein moderner Lastwagen."

Das wird der "Kleindiesel immer", auch bei Einhaltung der Messnorm. Zumindest wird das solange so sein, bis die LKW-Dieselmotoren auch derart hoch getrimmt werden, dass die Verbrennungstemperatu​ren exorbitant hoch sind um Leistung aus kleinem Motor zu gewinnen. Das mit wenigst oder minimalstem Verbrauch.

Sie dürfen aber auch davon ausgehen, dass LKW-Diesel schneller und effizienter der Kontrolle unterstehen. Ein LKW eingelöst mit Gefahrengutzulassung (die Meisten in der Schweiz) müssen jährlich zur Kontrolle mit Abgasmessung. Ein PW aber muss bei Neukauf (in den meisten Kantonen) erst nach 5 Jahren das erste Mal die MFK besuchen zur Messung.


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67%
(12 Stimmen)
Karlos Gutier sagte March 2017

Na ja, Täuschung und Unwahrheit ist des Politikers Alltag.

Nirgends wird der Bürger mehr angelogen als von den Politikern.


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64%
(11 Stimmen)
beb rofa sagte February 2017

Normen sind fast immer im Interesse der Wirtschaft. Es ist die deutsche Autoinsdustrie, die sich in Brüssel durchgesetzt hat, nicht nur bei den Abgasen, auch beim Lärm. Die Schweiz übernimmt klangheimlich die meisten Vorschriften. Deshalb haben die Diesel-Personenwagen sehr zugenommen. Das Resultat: mehr statt weniger Feinstaub und viel Lärm bei Motorrädern und einigen Autotypen.


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67%
(12 Stimmen)
Karlos Gutier sagte February 2017

Trotzdem stieg der Gewinn weiter, die Leute kauften KdF-Wagen, kein Absatzeinbruch z.B. in Europa.


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55%
(11 Stimmen)
Ernst Jacob sagte February 2017

Konsequenterweise könnte man einfach zukünftig darauf verzichten, Fahrzeuge solcher Hersteller zu erwerben, aber dann würde man sich ja in seiner eigenen Meinungsbildung negativ beeinflussen, man will ja schliesslich nicht auf Qualität verzichten, nur, weil man den im Auto hintendran vielleicht etwas verstinkt.

Aber so ist es halt, wenn man sich auf Etwas verlässt, was aus dem Kaiserreich Europa stammt, und seien es nur Zulassungsdokumente, die in Luxemburg, oder anderswo, wo's tolerante Leute gibt, erstellt wurden, und dann, unkontrolliert, in und für ganz Europa gelten sollen. Und kein Mensch interessiert sich nachher dafür, dabei geht es doch um echtes Gift, und nicht nur Zigirauch.

Und der Mann, der dafür jedes Jahr 16 Millionen Euro Lohn erhielt, weil es so ein Penibler war, und alles selber wissen wollte, tat dann so, als hätte er von Nichts gewusst. Genau so, wie jüngst Frau Merkel, die auch keine Ahnung davon hatte, was ihr Gehemindienst so betrieb.

Daher, es gibt kein Zurück. Ausser, man tut es selbst. Und wenn Alle ihre Verantwortung wahrnehmen würden, als sich nur darüber aufzuregen, überall dort, wo beschissen und betrogen wird, dann könnte man auch etwas bewirken. Aber so, wie es in der Realität zugeht, wird wohl jeder Versuch, etwas daran zu ändern, nur als versuchter Rückschritt in die alten Zeiten des Nationalismus interpretiert, ausgehend von den bösen Rechten im Land, und statt über VW flucht man dann plötzlich wieder nur noch über Blocher und seine Getreuen...

Man kann halt nicht Beides haben, in Europa, und aus Europa, gutgemeinte Verträge, und eine erlebte Realität, wo Recht interpretiert wird, wie es der Grossmächtigen in Deutschland grad am besten passt.

Soviel zumindest sollten wir daraus gelernt haben, völlig unabhängig davon, auf welcher politischen Seite man steht. Mit links und rechts hat es nämlich auch gar nicht zu tun, mehr doch mit Anstand und Ehrlichkeit.

Meine ich wenigstens.


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63%
(8 Stimmen)
Roland Marquis sagte February 2017

Ist der Prüfbericht der Empa (Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt) betreffend Messungen, bei denen Autos einen Stickoxidausstoss um das 17fache überschreiten, öffentlich?

Ich kann mir schlichtweg nicht vorstellen, dass die Schweiz Importe von Fahrzeugen zulässt, welche die zulässigen Grenzwerte überschreiten.


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56%
(9 Stimmen)
jan eberhart sagte February 2017

Die Interessen der entsprechen Industrie/Lobby ist eben wichtiger.

Kein Politiker möchte die Steuern, Arbeitsplätze und Einfluss auf die Zulieferer gefährden.

Schlies​slicht ist das Land Niedersachsen an VW beteilitgt und VW ist wichtig für Deutschland.


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50%
(12 Stimmen)
Hans Knall sagte February 2017

Das Geschäftsmodell der "Täuschung" ist die Folge des Geschäftsmodells des überbordenden Regulierungswahns...


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40%
(10 Stimmen)
Elsi D. Stutz sagte February 2017

"Und das, obwohl die Empa solche Messungen gemacht hat. Genügen diese Messungen dem Bundesrat aus mir unbekannten Gründen nicht, so ist es höchste Zeit, dass er solche veranlasst. Denn mit Passivität und Wegschauen lassen sich die systematischen Täuschungen und Umgehungsmanöver der Automobilindustrie nicht beseitigen. "

Was haben Sie denn erwartet, Herr Vogler, etwa dass der Bundesrat eingesteht, dass im die Interessen der Wirtschaft einmal mehr halt einfach wichtiger sind? Und Sie nun wollen uns weis machen, dass Ihnen das immer noch "schleierhaft" ist? Exgüssi, aber diese Naivität, kauf ich Ihnen nicht ab!

Was Sie betreiben ist doch reine Symthombekämpfung, weil keiner den Mum hat, dem wuchernden "Tumor" und seinen "Lakaien" endlich die Stirn zu bieten! Lieber macht man einen Eiertanz um den heissen Brei herum, auf dem Buckel jener die eh schon die Beschissenen sind!

Man kann von Trump halten was man will. Aber das es in einer globalisierten Welt mehr Verlierer als Gewinner gibt, hat ER begriffen! Ebenso, wie das von der Wirtschaft freiwillig Nicht's zurück kommt! Uns will man aber weiter glauben machen, der Storch bringe die Baby's. Und wen wir nicht Liebe mit dem Storch sind, sterben wir aus. Das ist der eigentliche Skandal!


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38%
(13 Stimmen)
Willi Frischknecht sagte February 2017

Neben Diesel-PWs würden sie auch die Autobahnen zu Velowegen umbauen
Zum Glück haben Sie nichts zu sagen Herr Oberli.

Leider kann man ja auf Ihre Kommentare nicht direkt antworten, die werden regelmässig gelöscht


(3 Stimmen)
Rudolf Oberli sagte Vor 2 Stunden

Deshalb bin ich für ein Verbot des Verkaufs neuer Diesel-PW, Herr NR Vogler. Sie unternehmen im Parlament bestimmt etwas in dieser Richtung.



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36%
(14 Stimmen)
Rudolf Oberli sagte February 2017

Deshalb bin ich für ein Verbot des Verkaufs neuer Diesel-PW, Herr NR Vogler. Sie unternehmen im Parlament bestimmt etwas in dieser Richtung.

https://​az.www.vimentis.ch/dialo​g/readarticle/fuer-ei​n-verbot-von-diesel-f​ahrzeugen/


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92%
(13 Stimmen)
Alex Müller sagte February 2017

Bis jetzt konnten die Autohersteller sich mit der "Einhaltung der gesetzlichen Abgasnormen" zufrieden geben. Allerdings konnte man als Konsument schon lange wissen, dass die Zahlen eigentlich unehrlich waren. Denn schon vor Jahren gab es Artikel, welche die Messpraxis der Autohersteller in Frage stellten. ( 1 leichter Fahrer, keine sitze im Auto, kein Licht, kein Radio, keine Lüftung angestellt).
Neu war zu lesen, dass Messungen mit Belastung (vier Personen) und mit Steigungen, Bergfahrt, durchgeführt werden sollen. Und zwar auf der Strasse.


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