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Wie der Westen Russland als Feind aufbaut

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Wie der Wes­ten Russ­land als Feind aufbaut.             ​                     ​                     ​                    Ich, ein alter Mann, sage Euch, dass wir in einer Vor­kriegs­zeit leben!

Der 2. Satz eines „alten Mannes“ im Titel stammt nicht vom Verfasser, sondern aus einem Vortrag vom 3.12.2013 in Heidelberg von Egon BAHR, dem grossen SPD Politiker und Architekten der deutschen Ostverträge. Aber der Verfasser teilt dessen Meinung. Am 15.08.2015, kurz vor Bahrs Tod, forderte er für die Welt einen „Westfälischen Frieden“, um einen baldigen, verheerenden Krieg zu verhindern.Dieser beendete 1648 den 30-jährigen Krieg. Bahr war übrigens nicht allein: Auch Gorbatschow, Helmut Schmidt, sogar Claude Juncker, bevor er EU-Kommissionspräside​nt wurde, und viele andere äusserten sich im gleichen Sinne.(Juncker: „Die Dämonen sind nicht tot. Sie schlafen nur.“) Bevor ein Krieg begonnen werden kann, muss ein „Feind“ aufgebaut werden. So mussten deutsche Soldaten in polnischen Uniformen 1939 einen Angriff auf eine deutsche Einrichtung an der Grenze zu Polen machen, um die Wut der Deutschen anzufachen. Mit den Worten „Ab 5 Uhr wird zurückgeschossen“ fing dann Hitler den 2. WK an.

Die Welt lebt in einer Zeit kaum mehr wahrnehmbarer , umfassender und raffiniertester Meinungs-manipulation​ im Dienst der Regierungen, aber auch anderer Machtzentren und Interessengruppen. Gegenwärtig findet ein weltweiter Meinungskrieg um die Giftattacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten, Sergei Skripal und dessen Tochter statt. Es ist denkbar, dass Russland dahinter steht, aber eher unwahrscheinlich. Viele Akteure und Szenarien sind denkbar. Bevor die Beweislage eindeutig fest steht, darf sich die Schweiz keinesfalls den westlichen Verurteilungen anschliessen.

Die USA und in deren Gefolge  die NATO und bedeutende NATO-Mitglieder wollen erreichen, dass Russland als „Aggressor“, als „Feind“ wahrgenommen wird. Dabei wird hauptsächlich die Annexion der Krim als Vorwand benützt, aber nicht geschildert, was dazu führte und welche Folgen das für die globale Sicherheitslage hatte. Das möchte ich hier nachholen.

Der „Westen“, bzw. an vorderster Front die USA, hat die massive Verschlechterung der Sicherheitslage  zu verantworten. (China fängt an, dabei mitzuhelfen). Dabei führt der Westen die seit der Kolonialzeit befolgte Politik der Einmischung in andere Länder fort, um dort in seinem Interesse liegende Machtverhältnisse  und politische Systeme durchzusetzen. Er benützt Invasionen, Bombenkampagnen, durch Geheimdienste und massive finanzielle Mittel ausgelöste „Regime changes“ (Bestechung, Aufbau von Oppositionsparteien),​ wirtschaftliche und anderen Strafmassnahmen bis zur Entwicklungshilfe. Dazu benützt er oft massive Lügen, um sein militärisches Eingreifen zu rechtfertigen.  Falls der „Westen“ nicht sehr bald weltweit auf jede Einmischung verzichtet, führt diese Politik in wenigen Jahren zu einem grossen Krieg.

Ein kurzer Blick auf die geostrategische Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

Am 7.3.1992 veröffentliche die New York Times die geheime „Wolfowitz Doktrin“, die Richtlinie für die US Verteidigungspolitik des Stv. Verteidiungsministers​ Paul Wolfowitz. Sie hatte das Ziel, die globale Vormachtstellung der USA zu erhalten. (Die UdSSR war kurz vorher zerbrochen). Sie sagte: „Unser erstes Ziel ist es zu verhindern, dass ein neuer Rivale aufsteigt, sei es auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion oder anderswo“.  Erhellend betr. die Orchestrierung des Umsturzes in der Ukraine ist der nächste Satz: „“Dies ist eine dominierende Überlegung hinter der neuen regionalen Verteidigungspolitik und bedingt, dass wir verhindern, dass irgendeine feindliche Macht eine Region beherrscht, deren ….. Ressourcen genügen würden, globale Macht zu schaffen“. Die Doktrin sah u.a auch. „vorausschauende Schläge“ vor. Die Doktrin löste eine weltweite Empörung aus und führte zu einer durch das US-Verteidigungsdepar​tement hastig ausgearbeiteten, harmloseren neuen Variante. Im Februar 2014 meinte der ehemalige Berater zweier US Präsidenten, Zbigniew Brzezinski, „ohne die Ukraine kann Russland nie wieder eine Supermacht“ werden. Man darf davon ausgehen, dass die Wolfowitz-Doktrin und Brzezinskis Hinweis immer noch das globale Handeln der USA bestimmen. Diese Vorgeschichte ist wichtig, um die Ereignisse der letzten 20 Jahre in der Ukraine zu verstehen.

Wie im Sicherheitsbericht 2016 des Bundesrates bestätigt wird, haben die russischen Streitkräfte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion einen „beispiellosen Niedergang“ erlebt. Russland - von Gorbatschow bis Putin - hoffte auf eine „Friedensdividende“ und versuchte mit dem „Westen“ ein einvernehmliches Verhältnis aufzubauen. Stattdessen wurde das Land arrogant abgewiesen und dagegen ein ehemaliges Mitglied des Warschauerpaktes und der ehemaligen Sowjetunionnach nach dem anderen in die NATO aufgenommen. Diese und die USA rückten mit ihren militärischen Machtmitteln, darunter Anlagen der Raketenabwehr in Polen und Rumänien, bis an die russische Grenze vor. Dazu nehmen die USA immer wieder an Flotten- und Landungsmanövern im Schwarzen Meer teil und – Gipfel der Provokation - die US Marine baut gegenwärtig in der Ukraine am Schwarzen Meer eine Marinestation auf, nur 300 km von der Krim entfernt. (Quelle: www.navy.mil NNS17087-03, 8.7.2017).

Schon an der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 fragte deshalb Putin: „Gegen wen ist diese Erweiterung gerichtet? Und was ist aus der Versicherung geworden, die uns unsere westlichen Partner nach der Auflösung des Warschauer Paktes gegeben haben?... Keiner kann sich mehr daran erinnern“. Heute leugnet der Westen solche Versprechungen gemacht zu haben. Aber Putin bewies sie mit einem Zitat aus der Rede des damaligen NATO-Generalsekretärs​ Manfred Wörner vom 17.05.1990, der gesagt hatte: „Die Tatsache, dass wir bereit sind, keine NATO-Truppen ausserhalb des Staatsgebietes der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien“​. Dann fragte Putin: „Wo sind nun diese Garantien?“. Seither betont die russische Führung immer wieder, dass sie die Bedrohung direkt an ihrer Grenze nicht hinnehmen könne und ggf. militärisch dagegen vorgehen werde. (Zur Erinnerung: 1962, als die Sowjetunion auf Kuba 50 gegen die USA gerichtet Atomraketen installierte, drohte US Präsident Kennedy mit Krieg, falls sie nicht abgezogen würden. Das geschah dann und alle verstanden die Reaktion der USA.)

Nachdem es Russland dämmerte, dass es absichtlich ausgegrenzt und von den USA beherrscht werden solle, hat es sich mehr nach Asien und China ausgerichtet und massiv aufgerüstet. Seine Streitkräfte werden in kurzen Intervallen aus dem Stand zu grossen Manövern aufgeboten, oft gemeinsam mit der chinesischen Armee, Luftwaffe und Flotte. Das gemeinsame Scharfschiessen beider Flotten im Mittelmeer von 2015 und das gemeinsame Manöver beider Flotten vom Herbst 2017 in der Ostsee (!) ist wohl noch allgemein bekannt.

Der höchste US Offizier, der Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff, meinte (AUSA-Konferenz 2.-5. 10.2016) Russland habe Fähigkeiten, die „besorgniserregend für die Vereinigten Staaten und deren Interessen sind“. Dazu gehörten „die Fähigkeit, zu einem weitreichende Angriff“, „die Modernisierung des nuklearen Arsenals“, „eine breite Palette an Cyber-, Weltraum- und elektronischer Kriegsführung“, “eine sehr leistungsfähige konventionelle Armee“. Diese verfügt seit 2016 wieder über die 1. Garde-Panzerarmee, neben zahlreichen anderen gepanzerten Verbänden, starken Raketen- und Artillerieverbänden, dazu vier Luftlandedivisionen, Flotte und eine sehr starke land- und U-Bootgestützte Nuklearstreitmacht, sowie ein Arsenal von Cyber-, Weltraum und anderen neuesten Waffentypen. In seiner langen, sehr realistischen und harten Rede zeigt der Generalstabschef  der US Bodenstreitkräfte an der AUSA-Konferenz am 4.10.16 das Bild des modernen Krieges („Tödlicher, als alles was die US Streitkräfte in den letzten 70 Jahren erlebt haben“, „Ausschaltung jeglicher Kommunikation durch den Feind“, „Wieder lernen, sich mit Karte und Kompass zurecht zu finden“ etc.). Mit anderen Worten: Die oberste militärische Führung der USA hat bestätigt, dass Russland die Konsequenzen aus seiner Ausgrenzung und dem westlichen militärischen Aufbau direkt an seiner Grenze gezogen hat.

Die Krim - selbständig oder Teil der Ukraine?

Die Ukraine war Teil der UdSSR, und Chruschtschow, selber Ukrainer, hatte ihr schon 1954 die Krim mit Sewastopol, dem wichtigsten Hafen der sowjetischen Flotte, zugeschlagen. Aber es war eine innerstaatliche Verschiebung, so wie Moutier innerhalb der Schweiz als ehemaliger Teil des Kantons Bern zu einem Teil des Kantons Jura wurde. Niemand dachte damals an die Auflösung der Sowjetunion. Noch wenige Monate vor deren Ende fand am 20.01.1991 auf der Krim eine Volksabstimmung mit einer Stimmbeteiligung von 82% statt, die sich mit  einer 93%igen Mehrheit dafür entschied, dass die Krim als souveräne autonome  sozialistische Sowjetrepublik Teil der UdSSR, also als selbständiger Staat innerhalb der Sowjetunion bleiben solle. Der Oberste Sowjet der Ukraine akzeptierte die Autonomie zwar bereits am 12. Februar 1991, aber nicht als eigenständigen Teil der UdSSR, sondern nur als einen integrierenden Bestandteil der Sowjetrepublik Ukraine. Nach der am 1. Dezember 1991 von der Ukraine erreichten Unabhängigkeit, genehmigte diese im Mai 1992 auch noch die Verfassung der Republik Krim, aber wiederum nur als einen ihrer Teile, so wie wir Schweizer die Schaffung des Kantons Jura, aber als Teil der Schweiz, genehmigt hatten. Die Krim wollte schon damals selbständig sein, aber die Ukraine akzeptierte das nicht.

Es ist wichtig zu wissen, dass sich am 5. Dezember 1994 Russland,  die USA und Grossbritannien in getrennten Erklärungen des „Budapester Memorandums“ verpflichteten, die Souveränität  und Grenzen der Ukraine, Kasachstans und Weissrusslands,  sowie deren politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit zu achten, im Gegenzug zu deren Verzicht auf Atomwaffen. (In der sowjetischen Ukraine und anderen Mitgliederländern lagerten u.a. zahlreiche A-Waffen und chemische Kampfstoffe). Was der „Westen“ dann bis heute unternahm, entspricht nicht dem Geist dieser Verpflichtung. Am 9. Juli 1997 unterzeichnete die Ukraine mit der NATO ein Partnerschaftsabkomme​n, worauf die NATO 1998 auf der Krim Manöver durchführte, gegen die die lokale Bevölkerung heftig protestierte. 2008 fand eine Tagung des NATO-Russland-Rates statt, an der die NATO mitteilte, die Ukraine und Georgien würden gelegentlich in die NATO aufgenommen. Am  14. Mai 2008 zitierte Radio Free Europe amerikanische Quellen wonach Putin angekündigt habe, im diesem Fall würde Russland wahrscheinlich die Ost-Ukraine und die Krim abspalten und übernehmen.

Ein an Ressourcen reiches Land im Visier des Westens.

Die Ukraine ist sehr reich an Ressourcen, darunter Erdgas und 32 Millionen Hektaren der weltweit fruchtbarsten landwirtschaftlichen Böden (Schwarzerde). Es verfügt über grosse Rüstungs- und andere Industrien. Die weltgrössten Flugzeuge werden dort gebaut.

Schon bevor die Ukraine ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, hatten sich grosse US Konzerne (DuPont, Monsanto, Cargill) bedeutende Teil der Agrarwirtschaft des Landes gesichert, darunter gegen 2 Millionen ha Schwarzerdeböden, Saatgutfirmen, Getreidelagerhäuser, Anteile am Getreideverladehafen.​ Ein grosser Teil der Agrarlieferkette des Landes war bereits in amerikanischer Hand. (Seither sind dort China, Saudi Arabien und andere dem Kreis der Landkäufer beigetreten).

Die EU wollte die Ukraine mit einem einseitigen, Russland ausschliessenden Assoziationsvertrag an sich binden, obschon dieses für die Ukraine ein ebenso wichtiger Handelspartner wie die EU war. EU-Kommissionspräside​nt Barroso sagte am 25.02.2013 am EU-Ukraine-Gipfel, dieser finde statt „in einem Moment, in dem die Ukraine ihre europäische Wahl treffen müsse“. Er fügte an, die gleichzeitige Mitgliedschaft bei der Zollunion Russlands, mit der die Ukraine schon mehrere Freihandelsabkommen abgeschlossen hatte, und ein Abkommen mit der EU seien nicht mitein-ander vereinbar. Er und die EU Aussenbeauftragte Catherin Ashton erklärten, das Abkommen sei noch nicht unterschriftsreif, und am 18.11.2013 meinte das auch Bundeskanzlerin Merkel. Drei Tage später, am 21.November 2013 lehnte auch die aus den Wahlen von 2012 hervorgegangene ukrainische Regierung die Unterzeichnung als verfrüht ab.

Das führte zum raschen Erstarken der durch den Westen aufgebauten Opposition. Die USA und die EU erkannten sofort, dass damit eine einmalige Gelegenheit entstanden war, die „Wolfowitz Doktrin“ umzusetzen, die Regierung zu stürzen und das Land dem Westen anzugliedern. So wurde die Opposition nur drei Wochen später, ab 11. Dezember 2013, durch hohe Mitglieder der Regierung der USA (Victoria Nuland, Stv. US Aussenministerin, zuständig für die Ukraine) und der EU Kommission (EU Aussenbeauftragte Catherine Ashton) und weitere westliche Politiker vor Ort, d.h. in der Hauptstadt Kiew unterstützt. „America stands with you!“ „Amerika steht auf Eurer Seite!“, so US Senator John McCain, der Vorsitzenden des US Streitkräfteausschuss​es in seiner Rede vom 15.12.2013 an die auf dem Maidan versammelte, gegen die gewählte Regierung gerichtete Opposition. Er besprach das weitere Vorgehen mit allen Oppositionsparteien, auch mit dem Präsidenten der faschistischen Swoboda, der schon Jahre früher gefordert hatte, „Schnappt die Gewehre und bekämpft die Russen-Säue, die Deutschen, die Juden-Schweine und andere Unarten“ (NZZ, 14.03.2013). Laut Victoria  Nuland hätten die USA seit 2011 5 Milliarden $ in den „Aufbau der Demokratie“  investiert. Mehrere von der US Regierung massiv finanzierte, offiziell unabhängige bi-partisane amerikanische „Stiftungen“ (z.B. NED National Endowment for Democracy), waren laut deren eigenen im Internet verfügbaren Informationen in den, dem Putsch vorausgegangenen Jahren und während dessen Ablauf in der Ukraine tätig, bauten amerikafreundliche NGO’s auf und finanzierten „demokratische“ Parteien. Victoria Nuland bestimmte am 4. Februar 2014 in einem Telefongespräch mit dem US Botschafter  in Kiew, Geoffrey R. Pyatt, dass Arsenij Jazenjuk nach dem Putsch Premierminister der neuen Regierung werden müsse. Er wurde dann nach dem Putsch, ohne Wahlen, am 26. Februar 2014 ernannt. Der US Milliardär Soros sagte nach dem Putsch, seine Stiftung habe „wesentlich zu den Ereignissen beigetragen“. Nichts verdeutlich besser, was in der Ukraine wirklich vorging, als die Tatsache, dass Hunter Biden, der Sohn des damaligen Vizepräsidenten der USA, Joe Biden, laut einer Pressemitteilung vom 12. Mai 2014 der  Ukraine Burisma Holding, des grössten privaten Gaskonzerns des Landes, in deren Verwaltungsrat aufgenommen wurde. Ihm gehörte, neben zahlreichen Amerikanern, bereits auch der Wahlkampfleiter des damaligen US Aussenministers John Kerry an.  

Das Massaker auf dem Maidan

Aufschlussreic​h ist auch die Geschichte der Schiesserei vom 20. Februrar 2014 auf dem Maidan in Kiew, die rund 50 Tote und zahlreiche Verletzte, darunter auch viele Polizisten forderte. Sofort behauptete die Opposition, sie sei von der Regierung ausgelöst worden. Selbstverständlich über-nahmen die westlichen Medien auch gleich diese Sicht, obschon sie recht unwahrscheinlich war. So äusserte der estnischen Aussenminister, Uman Paet, schon am 25. Februar 2014 der Aussenbeauftragten der EU, Catherine Ashton, gegenüber, seine Zweifel und meldete ihr, dass ihm ein Arzt, der zahlreiche Verwundeten behandelte, gesagt habe, dass die extreme Rechte das Massaker veranstaltet habe (sie war Teil der Opposition).

Die Universität Ottawa (Canada) begann dann eine monatelange minutiöse Untersuchung. Dazu befragte sie zahlreiche damals auf dem Maidan Anwesende, prüfte eine Unzahl von Videos und Fotos, die von Medien aus aller Welt und Privaten aufgenommene worden waren, sie analysierte zahlreiche abgehörte Telefongespräche. Dazu untersuchte sie unzählige Einschusslöcher an Bäumen, Gebäuden, metallenen Tragmasten. Sie befragte  zahlreiche Verletzte nach ihrem Standort im Zeitpunkt der Verletzung und untersuchte die Lage der Toten. Bei beiden Gruppen erfasste sie auch deren Standort und die Ein- und Ausschussstellen, die Art der Verletzungen und die Geschossarten. Mit alle diesen Untersuchungen an Objekten und getroffenen Menschen konnte festgestellt werden, woher die Schüsse kamen und welche Waffen verwendet wurden.  An der Tagung der American Political Science Association vom 3.- 6. September 2015 in San Francisco stellte sie ihren 69-seitigen Bericht zusammen mit einem langen Video über die Schiesserei vor. Sie kam zum Schluss, dass es sich um eine Täuschungsaktion der extremen rechten Bewegungen handelte, darunter die faschistische Svoboda, der Rechte Sektor sowie die Vaterlandspartei und andere, den Oligarchen nahestehende Bewegungen. In der Studie wurden 20 Gebäude lokalisiert, die in der Hand der Opposition waren und aus denen geschossen wurde. Die Volkswut sollte ausgelöst und auf die Regierung gelenkt werden, was ja dann gelang, und wenige Tage später zum prowestlichen Machtwechsel führte. (Quelle: Internet: The „Snipers‘ Massacre“ on the Maidan in Ukraine, mit Video Appendix).

Der neue Premierminister Jazenjuk unterzeichnete den politischen Teil des Assozierungs-abkommen​s mit der EU schon am 21.März 2014, noch vor den Wahlen vom Mai 2014, der  Präsident, der Oligarch Poroschenko den wirtschaftliche Teil erst nachher, am 27. Juni 2014. Es hätte von den 28 Mitgliedern der EU ratifiziert werden sollen, um gültig zu werden. Aber die Holländer lehnten in einem Referendum vom 6. April 2016 die Ratifizierung mit grosser Mehrheit ab. Aber die EU beschloss trotzdem, „wichtige“ Teile des Abkommens „vorläufig“ anzuwenden.

Russlands​ Reaktion

Erst als Russland sah, dass der Westen mit seiner Einmischung in der Ukraine Erfolg haben und diese ganz ins westliche Lager ziehen könnte, begannen seine militärischen und geheimdienstlichen Gegenmassnahmen, um wenigstens zu verhindern, dass auch die Ostukraine und vor allem die Krim mit Sewastopol, dem wichtigsten Hafen seiner Flotte, unter die Kontrolle der USA gerate. Am 27 Februar 2014, einen Tag nach dem der von den USA bestimmte, an die Macht geputschte neue Premierminister Arsenji Jazenjuk, sein Amt antrat, begann das Einsickern von SPEZNAZ-Soldaten ohne Gradabzeichen auf der Krim, die  am 21. März 2014 von Russland annektiert wurde. Auch die Ost-Ukaine stärkte es militärisch und sorgt dafür, dass sie und die Krim nicht zurückgeholt und auch in den Westen integriert werden konnten.

Die Wut darüber, dass es Putin gelang, die Eingliederung der ganzen Ukraine und besonders der Krim zu verhindern, führte dann zu all den von den USA diktierten Straf- und Ausgrenzungsmassnahme​n gegen Russland. Das ist Kriegspolitik.       Gotthard Frick, Bottmingen


Kommentare von Lesern zum Artikel

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75%
(4 Stimmen)
beb rofa sagte March 2018

Danke Herr Frick, eigentlich haben Sie schon fast alles geschrieben zum Thema.

Russland war schon vor dem 2. Weltkrieg das grosse Feindbild für die USA. Während der krankhaften Kommunistenverfolgung​, in der sogar Charlie Chaplin und Albert Einstein zu gefährlichen Staatsfeinden erklärt wurden, war die Sowjetunion, und somit Russland, das Böse schlechthin. Nach dem Zerfall der Sowjetunion musste um jeden Preis verhindert wer5den, dass es zwischen Russland und Westeuropa zu einer friedlichen Koexistenz kommt, das hätte die Weltherrschaft der USA geschwächt. Mit tranatlantische Allianzen bei Medien und Militär war es einfach, die EU bzw. die Natostaaten für dieses Spiel zu gewinnen.
Dazu kommt, dass Geheimdienste und Armee in den USA eine Art Staat im Staat ist und von der Politik nicht mehr gesteuert werden können. Der ehemalige CIA-Offizier Philip Geraldi:
„Es gibt listige Experten und Beamte, die immer ein Feindbild brauchen, um ihre gut bezahlten Arbeitsplätze in der Regierung und anderen Behörden zu behalten, die auf das Wohlbefinden des
militärisch-industrie​llen Komplexes angewiesen sind“, schreibt der Ex-CIA-Offizier, der nun die NGO „Council for the National Interest“ leitet. Zudem würden sich immer und überall
militante Patrioten wie die Senatoren John McCain und Lindsey Graham finden, fügt er hinzu.

Einen kurzen prägnanten Text zu diesem Thema hat Dr. Wolfgang Freisleben, Wien geschrieben:

http://www.freisleben​-news.at/die-usa-brin​gen-deutschland-gegen​-russland-in-stellung​/

Lesenwert ist auch das Buch von Hannes Hofbauer "Feindbild Russland"
http://www.kritisches​-netzwerk.de/forum/fe​indbild-russland-gesc​hichte-einer-daemonis​ierung-hannes-hofbaue​r


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100%
(3 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte March 2018

"The crazed neoconservatives, such as Trump’s National Security Adviser John Bolton, think that Russia will buckle under the strains, sue for peace, and accept US hegemony. If this assumption is incorrect, the outcome of Washington’s hostile actions against Russia is likely to be nuclear war. The side that Stephen Lendman and I are talking is neither the side of Washington nor Russia, but the side of humanity and all life against nuclear war."

https://www.​paulcraigroberts.org/​2018/03/24/washington​-declared-hegemony-wa​r/

Neocon Takeover of Washington Completed:
http://st​ephenlendman.org/2018​/03/neocon-takeover-w​ashington-completed/


Uf düütsch:
https://tra​nslate.google.ch/tran​slate?sl=en&tl=de&js=​y&prev=_t&hl=de&ie=UT​F-8&u=https%3A%2F%2Fw​ww.paulcraigroberts.o​rg%2F2018%2F03%2F24%2​Fwashington-declared-​hegemony-war%2F&edit-​text=&act=url


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75%
(4 Stimmen)
jan eberhart sagte March 2018

Skripal wollte nach Russland zurückkehren nach BBC.

Wieso hätte er das tun wollen, wenn er sich bedroht gefühlt hätte? Dazu bekam er eine milde Bestrafung, war begnadigt worden und in einem Agentenaustausch freigelassen worden.

Nach den Regeln des Kalten Krieges macht es keinen Sinn, ihn zu töten seitens Russland. Dazu hat er keinen aktuellen Zugang zu russischen Geheimdienstinformati​onen.

Wenn man weiss wie, kann man jedes Giftgas herstellen. Allein weil es ein Giftgas ist, dass in der eh. Sowjetunion erforscht/produziert wurde, heisst es nicht, dass es nicht anderswo herkommt.

Ich denke, viele Informationen werden für lange Zeit top secret bleiben und nichts ans Tageslicht kommen.




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67%
(6 Stimmen)
Jürg Walter Meyer sagte March 2018

Eine ausgezeichnete Analyse, sehr geehrter Herr Frick. Ich danke Ihnen - Ihre Ausführungen sind deckungsgleich mit meinen Überlegungen.


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29%
(7 Stimmen)
jan eberhart sagte March 2018

Bravo Trump. Er lässt sich von der allgemeinen Hysterie nicht anstecken und gratuliert Putin zu seinem Sieg.

So wie man auch Erdogan, Al Sisi, Xi Jingping oder dem saudischen König gratuliert.


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71%
(7 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte March 2018

Herr Gotthard Frick

Ich muss Ihnen einfach ein grosses Kompliment machen Herr Frick. Speziell sogar als SP-Mann, diese Objektivität, Sachkenntnis und vor allem diese Eingeständig- und Denkfähigkeit, dies ist wahrlich nur sehr wenigen Menschen gegeben. -Auch vor allem dann nicht, weil sie mehrheitlich politisch zu radikal, somit völlig blind auf einem Auge einfach politisch dümmlich weiter wursteln wie gehabt.

Auch Frau BK-Merkel hat anscheinend keinen leisen Schimmer von der Geschichte, vor allem nicht von der jüngeren deutschen Geschichte. Ansonsten würde sie sich nicht wie eine selbsternannte ungekrönte Kaiserin der EU selbstgefällig & arrogant, sogar besserwisserisch gebärden. Dies gegenüber EU-West-Partnern, noch mehr gegenüber den neuen Ost-EU-Staaten. Diese litten nämlich schon furchtbar unter der nazideutschen Besatzung 1939 bis 1945. Danach bis 1989 dasselbe nochmals unter einer nicht harmloseren kommunistischen Gewaltherrschaft. Obwohl, oder vielleicht gerade weil sie in ihrer Jugend stramm angeblich selber noch DDR-Uniform trug, hat sie die demokratischen Gepflogenheiten wohl noch immer nicht zu 100% intus.

Am bedenklichsten aber ist wohl der Umstand, dass im Grundgesetz nach diesem globalen WK II Debakel mit 51 Millionen Toten (gerade mal eine Generation her) was folgt fest verankert wurde: "Niemals mehr darf von deutschem Boden wieder ein Krieg ausgehen". Und was passiert, zuerst getarnt als Sanität, dann als Armee-Ausbilder, und seit Jahren jetzt schon völlig ungehindert Bundeswehr-Kampftrupp​en mit schwerem Kriegsmaterial nach Afghanistan, nach dem Irak und i.d. ganze Welt. Einfach unglaublich.

Europa, die EU müsste sich nun erst einmal wirklich abnabeln, eigenständige Friedenspolitik, somit Prosperität für ganz Europa möglich machen. Dies zuforderst mit einem Wirtschafts- & Freundschaftsabkommen​ (und kein Rahmenabkommen) mit Russland. Gorbatschov's Politik hat es Deutschland zu verdankendass sich die beiden Deutschland - diesmal ohne Krieg - 1989/90 wieder vereinen durften.

Eine wirklich seltsame Spezies diese heutigen "Europapolitiker/Inne​n", allem Anschein nach keinerlei Ahnung von der Geschichte und ihren schlimmen Auswirkungen. Jedenfalls General de Gaulle, damals in den fünfziger Jahren französischer Staatspräsident hatte schon damals seine Devise ausgegeben: "Leuropa c'est de l'Atlantic jusqu'a l'Ural", also inklusive Russland zumindest bis zum Ural.

Der weisere Gandhi sagte diesbezüglich sehr treffend: "Weil der Mensch aus der Geschichte NICHTS lernt, muss diese sich immer wiederholen."

Berl​in im Juli 1945 in Farbe
https://www.yo​utube.com/watch?v=R5i​9k7s9X_A

Deutschla​nds Aussenminister Genscher zieht Gorbatschov über den Tisch mit diesem Wortbruch: "Niemand hat die Absicht einer NATO-Osterweiterung ..." Ahnlichkeiten mit der damaligen DDR-Ulbricht-Aussage:​ "Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten....", sind wohl rein zufällig.
https://ww​w.youtube.com/watch?v​=dW3DWgMAwz0

Der Betrug an Russland
https://www​.youtube.com/watch?v=​g6_Yf2JC80I

Ex-Bun​deskanzler Schmidt
https://www.​youtube.com/watch?v=M​PT6Syblwpo




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