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Wir sehen nur noch Bahnhof

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Auf einer Karte um 1880 fin­det man einen fast un­ver­bau­ten Zürich- und Ad­lis­berg – und trotz­dem an jeder Ecke eine Schen­ke. Heu­te, bei mas­siv ge­wach­se­ner Be­völ­ke­rung, kann man die Re­stau­rants bald an einer Hand abzählen.
Vie­len an­de­ren Ge­wer­ben mit Lauf­kund­schaft ist es nicht bes­ser er­gan­gen. Wie­so?

Das Quartiergewerbe profitiert von seiner Nähe. Das hat lange funktioniert. Gewerbebetriebe versorgten das Quartier umfassend und sorgten so auch für Leben.

Heute leben wir nicht mehr kleinräumig. Die Kantonsbevölkerung legt im Schnitt 35 km pro Tag zurück. Kaum jemand wohnt und arbeitet noch im gleichen Quartier. Der Erfolg des ÖV zeigt hier eine Schattenseite: Er kanalisiert Verkehrsströme auf wenige Achsen und – für das Gewerbe noch entscheidender – auf wenige Knotenpunkte. Personen im Umfang von 30% der Kantonsbevölkerung (ver-)kehren heute nur schon am HB.

Wenn die Bevölkerung aber täglich an einem von wenigen Knoten vorbeikommt, genügt es, als Anbieter dort präsent zu sein. Die Geschäfte im Quartier verlieren damit ihre Kundschaft, denn die Effizienz anonymer Ketten im Zentrum ist unerreichbar. In der Summe verödet so das Leben in unseren Quartieren. Sie werden zu Schlafstädten, in denen abends die Trottoirs hochgeklappt werden. Dies entspricht nicht dem, was wir wollen.

Soll man jetzt aus Mitleid das lokale Gewerbe unterstützen? Das wäre weder eine realistische, noch eine nachhaltige Lösung. Vielmehr müssen wir dem Quartiergewerbe gegenüber den Anbietern in der City echte Standortvorteile bieten können. Etwa flexible Öffnungszeiten, einfachere Bewilligungsverfahren​, geringere Gebühren, weniger Vorschriften, kein Parkplatzabbau usw. Leider handeln Verwaltung und Politik oft umgekehrt: Vorschriften und Gebühren etwa nehmen im Gleichschritt mit der Anzahl Verwaltungsangestellt​er zu. Und flexible Öffnungszeiten gibt es gerade nur an Verkehrsknotenpunkten​.

Kleinräumigkeit hat aber auch mit Verkehrsplanung zu tun. Persönlich hoffe ich, dass innovative Verkehrsmittel an der Schnittstelle zwischen ÖV und Individualverkehr unser heutiges, sternförmiges System zumindest teilweise aufbrechen werden. Zudem sollten wir versuchen, Wohnen und Arbeiten wieder mehr zu mischen – etwa mittels Raumplanung, niedrigerer Umzugsschranken und einer höheren Lärmakzeptanz.


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