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Volkswirtschaftslehre,

Zeitwohlstand und Wachstum

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„Wenn der Ein­satz von Ka­pi­tal und Tech­no­lo­gien die ge­samt­wirt­schaft­l​i­che Pro­duk­ti­vität er­höht, kann eine kon­stante Güter­menge mit immer we­ni­ger Ar­beit­sin­put her­ge­stellt wer­den. Ob das BIP der Ge­sell­schaft dann steigt, hängt im We­sent­li­chen davon ab, wie die Men­schen die ge­won­nene Zeit nut­zen. Hier sind vier grund­le­gende Ent­wick­lun­gen denk­bar:

  1. Die Menschen nutzen die gewonnene Zeit für Freizeitaktivitäten und nehmen dabei kommerzielle Angebote in Anspruch. Beispiele hierfür sind Kreuzfahrten, Städtereisen, der Besuch von Freizeit- und Vergnügungsparks und vieles mehr.[ 11 ] Diese Tendenz hin zu einer kommerziellen Event- und Erlebnis-Ökonomie ist wachstumsfördernd, weil für derartige Angebote Marktpreise gezahlt werden und diese Angebote somit von der Volkswirtschaftlichen​ Gesamtrechnung erfasst werden.
  2. Die Bürger nutzen die gewonnene Zeit für Freizeitaktivitäten, ohne dabei auf kommerzielle Angebote zurückzugreifen. Sie musizieren, spielen Theater, arbeiten im eigenen Garten oder treiben Sport. Abgesehen von den für diese Aktivitäten notwendigen Produkten wie Musikinstrumente und Sportbekleidung werden keine weiteren Produkte benötigt. Es kommt daher zu keiner nennenswerten Steigerung des BIP.
  3. Die gewonnene Zeit kann für ehrenamtliche Tätigkeiten verwendet werden. Da es für diese Tätigkeiten keinen Marktpreis gibt, erfasst die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung diese Aktivitäten nicht. Das BIP steigt somit nicht. Sofern das ehrenamtliche Engagement am Markt gehandelte Dienstleistungen verdrängt, sinkt das BIP sogar.
  4. Denkbar ist schließlich auch, dass die Menschen die zusätzliche Zeit für die Ausübung von Erwerbsarbeit nutzen. Wenn die zusätzlich produzierten Güter auf Märkten verkauft werden, kommt es zu einer Steigerung des BIP. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass es auch eine kaufkräftige Nachfrage für diese zusätzlichen Produkte gibt. Dies ist jedoch nicht garantiert: Wenn es wegen des verstärkten Kapitaleinsatzes zu einer erheblichen Reduzierung der Erwerbsarbeit kommt, fehlt es an einer entsprechenden Massenkaufkraft.

Wel​che dieser vier Entwicklungstrends tatsächlich Realität werden, lässt sich nicht vorhersagen. Entscheidend dafür sind die Wertvorstellungen der Bürger. Auf jeden Fall aber ist nicht auszuschließen, dass es im Zuge der mit der voranschreitenden Digitalisierung einhergehenden Zeitgewinne in hoch entwickelten Volkswirtschaften ceteris paribus zu einer Stagnationstendenz kommt oder sogar zu einem Rückgang des BIP. Dies bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, dass sich die Lebenssituation der Menschen verschlechtert. Die Bürger können die gewonnene Zeit für selbstbestimmte Tätigkeiten nutzen, was ihre Lebenszufriedenheit erhöhen kann. Der Wohlstand der Menschen – definiert als Lebenszufriedenheit oder Glück – steigt dann, obwohl das BIP sinkt.“ (Thiess Petersen in Ökonomenstimme vom 27. April 2017)


Kommentare von Lesern zum Artikel

Information zur Abschaltung der Kommentarfunktion

Der Verein Vimentis hat sich entschieden, die Kommentarspalte zu den Blogs zu schliessen. In der folgenden Erläuterung erfahren Sie den Grund für diesen Entscheid.

Der Blog, und dazu gehört auch die Kommentarspalte, sind ein wichtiger Teil der Diskussionsplattform von Vimentis. Gleichzeitig sind Werte wie Respekt, Anstand und Akzeptanz für den Verein von grösster Wichtigkeit. Vimentis versucht diese Werte selbst einzuhalten, sowie auch auf der Website zu garantieren.

In der Vergangenheit wurden diese Werte in der Kommentarspalte jedoch regelmässig missachtet, es kam immer wieder zu nicht tolerierbaren Aussagen in den Kommentaren. Das Löschen dieser Kommentare ist heikel und zudem mit grossem Aufwand verbunden, welcher der Verein nicht stemmen kann. Zusätzlich können die Kommentare praktisch anonym verfasst werden, weswegen eine Blockierung der jeweiligen Personen unmöglich wird.

Folglich hat der Verein Vimentis entschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten und nur den Blog stehen zu lassen. Der Blog erlaubt es Personen weiterhin, sich Gehör zu verschaffen, ohne sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Die Änderung sollte die Blog-Plattform qualitative verbessern und all jenen Personen ins Zentrum rücken, welche Interessen an einer sachlichen Diskussion haben, sowie die oben erwähnten Werte respektieren.




75%
(8 Stimmen)
Emil Huber sagte March 2020

Es gäbe noch ein fünftes, mögliches Szenario:

Die wegfallenden Jobs können durch sogenannte hochbezahlte "Bullshit - Jobs" mit fantasievollen akademischen Titeln ersetzt werden.

"Vollbesch​äftigung dank Bullshit-Jobs
Die Rationalität moderner Wirtschaften lässt Jobs entstehen, die wenig Sinn ergeben. Nur auf diese Weise lässt sich Vollbeschäftigung bei zunehmender Automatisierung und Digitalisierung aufrechterhalten"

https://www.nzz.ch/me​inung/vollbeschaeftig​ung-dank-bullshit-job​s-ld.1417546






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33%
(9 Stimmen)
Georg Bender sagte March 2020

Diese Geschichte hängt mit dem befreien vom Zahler Virus zusammen.
Wie die Bedürfnisse abgedeckt werden ist doch völlig egal. Derzeit dürfen Teile der Bedürfnisse nicht abgedeckt werden. Dieser Anteil im Einkommen, kann gespart werden. Abfluss zuordnen?
Es ist demnach wichtig, das Geldsystem in seiner Entstehung und Auswirkung zu begreifen. Es ist definitiv keine Milchbüchlirechnung! Wir können doch keine Zahler sein, denn wir tauschen zur Bedürfnisabdeckung, die gegenseitige Leistung mit der zugeordneten Geldration aus der Geldschöpfung. Die Steuern, Soziales und Gesundheit werden aus den Wirtschaftseinnahmen aus den Ausgaben des Staates und Soziales, als Betrug dem Arbeitseinkommen hinzugefügt und wieder abgezogen (Weiterleitung = Steuern und Gesundheit). Das frei verfügbare Einkommen, kommt auch wieder zum Arbeitgeber, zur vertraglichen Weiterleitung zurück, solange ihre Arbeit nachgefragt wird. Der Arbeitgeber bezahlt auch keinen Rappen, er stellt den Arbeitsplatz zu Verfügung, damit auch er profitieren kann. ZAHLER Virus, wirkt weltweit und hat ein viel grösseres Ausmass und Folgen, als das Corona.
Auch die Krisenbewältigung zeigt doch den Zahler Virus und die damit verbundene Bürokratie! Ausnahmezustände, brauchen auch Ausnahmeregelungen! Die Wirtschaft, alle Firmen und Selbständigerwerbende​ sind dem Finanzamt bekannt, beantragen den notwendigen Haushaltausgleich! Die Summe kann mit den aus vergangenen Jahren vorliegenden Unterlagen, verifiziert werden. Die Ausgaben aus dem beantragten Ausgleich muss später lückenlos belegt werden. Einfach und effizient, keine unnötige Bürokratie und Machtgehabe der Arbeits- und Finanzämter! Die Kurzzeitarbeitsentsch​ädigung wirkt in normalen Zeiten, aber nicht bei Unterbruch oder Stopp der Bedürfnisabdeckung (Freizeit, etc.). Dieses Geldvolumen zirkuliert nicht mehr aus der ordentlichen Umlage, weil diese Anbieter vom "Markt" genommen wurden! Das Geldvolumen jedoch, ist nicht vernichtet, es liegt auf der hohen Kante! Solidaritätsbeitrag, als Rückfluss muss angedacht werden!

Die Anleihen sind eine Spielform sog. Steuerderivate (Verzinsung und spätere Umlage über Steuerrückfluss). Mit dieser Spielform wird die Geldmenge nicht erhöht. In den Bankbuchhaltungen findet eine Passivgeldumlage statt. Belastung Anleihenszeichner an Guthaben Staat! Diese Summe wird bei der Zentralbank von Bankkonto zu Bankkonto hin und hergeschoben.
Nieman​d merkt, dass das praktizierte System der Geldschöpfung, nicht korrekt ist, weil die Treuhandfunktion (Wesen einer Geldschöpfung = keine Forderungen und Verpflichtungen = Haftung für den Geldschöpfer) nicht korrekt umgesetzt wird. Wenn ein Kredit faul wird, der Schuldner kann demnach den Kredit nicht zurückführen, weil die Kundenguthaben nicht zu ihm zurückkehren (keine Nachfrage oder Insolvent), so entsteht eine "Negative Geldmenge"! Diese muss mit dem vorhandenen Eigenkapital (heutigen Banken sind Finanzgesellschaften = Reformieren) verrechnet oder mit Negativzinsen aus hoher Geldhortung, abgebaut werden. So einfach, wenn man das System begreift und an den Unis korrekt erlernen kann. Die Ausbildner fehlen bewusst!




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56%
(9 Stimmen)
Phil A. sagte March 2020

Sie gehen von dem Umstand aus das in diesem Land noch die Produktion von Gütern stattfindet und für das Geld welches ihnen zur Verfügung steht auch in Zukunft noch Güter verkauft werden. Da muss ich sie leider enttäuschen, die Weltwirtschaft steht momentan vielerorts still, eine ganz andere Situation als 2008. Dieses Mal erwischt es die reale Wirtschaft und der Schock, bzw. die Rezession welche man seit 2008 Geldpolitisch herauszögert hat, wird sich nun umso mehr bemerkbar machen. Was passiert wenn eine steigende Nachfrage auf ein zusammenbrechendes Angebot trifft? Es wird mit einer Inflation der Kaufkraft und Vermögen einhergehen. Momentan befinden wir uns noch in einer Deflation weil alle Cash benötigen um sich über Wasser zu halten, dass wird sich mit zunehmenden Lieferschwierigkeiten​ und einem mangelnden Angebot an Gütern auf dem Markt relativ rasch ändern. Verabschieden sie sich schon einmal von ihrer Pensionskasse, gut hat es wer in reale Sachwerte investiert hat, dessen Schaden wird sich in Grenzen halten. Die Inflation wird in den nächsten Wochen oder Monaten kommen, sobald das Warenangebot merkbar zurückgeht wird sie nicht mehr aufzuhalten sein. Da können Zentralbanken und Staat noch so viel Geld auf den Markt pumpen wie sie wollen, es ändert nichts an den Tatsachen, wenn die reale Wirtschaft nicht mehr in der Lage ist dieses Geld in Produktivität umzuwandeln (weil die Produktion von Gütern mittlerweile bei uns kaum mehr stattfindet) gibt es auch nichts mehr zu kaufen.


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