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Lexikon: Kaufkraftparität (PPP)

Kaufkraftparität heisst, dass man Kennzahlen verschiedener Währungen nicht vergleicht, in dem man die Währungen über den Wechselkurs umrechnet, sondern in dem man die Kaufkraft der Währungen anhand eines repräsentativen Warenkorbs bestimmt und die Kennzahlen dann anhand der Kaufkraft vergleicht.
In Statistiken wird oft die englische Abkürzung PPP (purchasing power parity) angegeben.

Für diesen Artikel ist Vorwissen erforderlich; siehe daher eventuell erst unter Kaufkraft.


Kaufkraftparitäten kommen beispielsweise oft zum Einsatz, wenn das Bruttoinlandprodukt (BIP) von verschiedenen Ländern verglichen werden soll. Dabei spielt es keine Rolle, wie hoch das Schweizer BIP pro Kopf in US Doller im Vergleich zum BIP pro Kopf der USA ist, sondern entscheidend ist, wie viel ein Schweizer durchschnittlich im Vergleich zu einem US-Amerikaner konsumieren kann. Der erste Vergleich kann sich stark vom zweiten unterscheiden, wenn die Preisniveaus nicht gleich sind.

Beispiel
Angenommen es gibt in den USA wie in der Schweiz nur 1 Produkt: Brot. Ein Amerikaner verdient im Monat 2’500 $ und der Preis eines Stück Brots beträgt 0.5 $. Er kann sich also 5'000 Stück Brote kaufen. Ein Schweizer verdient 4'000 SFr., was bei einem nominellem Wechselkurs von 1.2 $/SFr. 4’800 $ entspricht. Diese Betrachtung verleitet zur Aussage, der Schweizer ist reicher als der Amerikaner, doch für eine solche Aussage muss man die Kaufkraft betrachten. Angenommen, ein Stück Brot kostet in der Schweiz 1 SFr., dann kann sich ein Schweizer nur 4’000 Stück Brote kaufen, während der Amerikaner 5'000 Stück kaufen kann. Der kaufkraftbereinigte Wechselkurs müsste also eigentlich 0.6 $/SFr. (1.2 multipliziert mit dem ausländischen Preis (0.5) dividiert durch den inländischen Preis (1)) betragen. Wenn man nun das Einkommen des Schweizers von 4’000 SFr. mit dem kaufkraftparierten Wechselkurs von 0.6 $/SFr. multipliziert, sieht man, dass er eine kleinere Kaufkraft besitzt, indem man 2'400 $ erhält.
Man sieht weiter, dass der Schweizer Franken in diesem Beispiel überbewertet ist, denn obwohl ein Schweizer in der Schweiz 20% weniger kaufen kann als ein Amerikaner in den USA, kann ein Schweizer in den USA nur 4% weniger kaufen. Dies erhält man dadurch, indem man den Unterschied vom Einkommen des Amerikaners vom umgerechneten Einkommen des Schweizers berechnet, in unserem Beispiel also 2'500 $– 2'400 $ = 100 $. Dies macht vom totalen Konsum 4% aus (100 dividiert durch 2'500). Generell kann man daher sagen, dass ein nominaler Wechselkurs überbewertet ist, wenn der reale Wechselkurs kleiner 1 ist und dass er unterbewertet ist, wenn er grösser 1 ist.
In diesem Beispiel würde es also für einen Schweizer rein ökonomisch Sinn machen, das Brot in den USA zu bestellen. In der Realität müsste man natürlich noch Transportkosten, Zoll, etc. berücksichtigen. Ausserdem sind in der ökonomischen Betrachtungsweise generell ökologische Faktoren ausgeblendet, da sie externe Kosten darstellen, es sei denn, sie seien z.B. durch Pigou-Steuer oder Zertifikate internalisiert worden.

 

Siehe auch
Weblinks / Quellen
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Artikel wurde am 03.04.2013 aktualisiert


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