Lexikon: Inflation

Unter Inflation (auch Teuerung) versteht man in der Volkswirtschaftslehre einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus während mehreren aufeinander folgenden Zeitperioden (Gegenteil von Deflation).
Wenn es Inflation gibt, wächst die Geldmenge stärker als die Menge aller hergestellten Güter (bzw. die Geldmenge schrumpft weniger stark als die Gütermenge). Das führt zu einer realen Abwertung des Geldes d.h. man kann sich mit dem gleichen Betrag von Franken weniger Produkte und Dienstleistungen kaufen als vor der Inflationsphase (geringere Kaufkraft).
Das wichtigste Messinstrument der Inflation in der Schweiz ist der Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). Um die Entwicklung des LIK zu messen, wird ein fixer Warenkorb definiert, welcher die regelmässigen Ausgaben eines durchschnittlichen Schweizer Haushalts abbildet. In regelmässigen Abständen wir nun der Preis für diesen Warenkorb gemessen. Die Veränderung des Preises ergibt die Inflation. Weitere Messzahlen für die Inflation sind der Produzentenpreisindex oder der BIP-Deflator.
Da es bei den Ursachen und der Bekämpfung von Inflation sehr wichtig ist zu unterscheiden, ob ein Land flexible oder fixe Wechselkurse hat, teilt sich dieser Eintrag in zwei entsprechende Teile auf.

Beispiel:
Gehen wir davon aus, dass in einer Volkswirtschaft in einem Jahr 100 Äpfel produziert werden. Auf dem Markt werden diese Äpfel nun seit Jahren immer für denselben Preis nämlich 1.- Fr. verkauft. An einem sonnigen Markttag müssen wir jedoch feststellen, dass die Äpfel auf einmal nicht mehr 1.- Fr. sondern 1.10 Fr. kosten d.h. das Preisniveau unserer Volkswirtschaft ist um 10% gestiegen, wir hatten Inflation.


INFLATION BEI FLEXIBLEN WECHSELKURSEN
Seit den 1970er Jahren hat die Schweiz wie auch die meisten anderen Länder grundsätzlich flexible Wechselkurse.

Ursachen von Inflation:
  • Der wichtigste Grund für Inflation ist die Erhöhung der Geldmenge durch die Nationalbank. D.h. die Nationalbank verfolgt eine lockere Geldpolitik und stellt der Wirtschaft mehr Geld zur Verfügung.
    Beispiel:
    Am Beispiel mit der Apfel-Volkswirtschaft kann man sehr leicht erkennen was geschieht, wenn die Geldmenge erhöht wird: Da am Anfang jeder der 100 Äpfel genau 1.- Fr. gekostet hat gehen wir davon aus, dass die Geldmenge dieser Volkswirtschaft genau 100.- Fr. gross war. Nun entschliesst sich die Nationalbank die Geldmenge um 10.- Fr. auf 110.- Fr. zu erhöhen. Die Nachfrager haben nun also 110 Fr. können damit aber nur 100 Äpfel kaufen. Sie werden deshalb bereit sein nun 1.10 Fr. pro Apfel zu zahlen, da sonst Geld übrig bleibt, das sie für nichts verwenden können.


  • Ein anderer Grund für Geldmengenwachstum und somit für (höhere) Inflation ist eine höhere Umlaufgeschwindigkeit des Geldes. Wenn das Geld im Kreislauf schneller durchläuft hat das denselben Effekt wie, wenn wir eine grössere Geldmenge hätten.
    Beispiel:
    Auch das lässt sich am Beispiel der Apfel-Volkswirtschaft zeigen: Bis jetzt sind wir davon ausgegangen, dass jeder Franken nur einmal im Jahr verwendet wird um Äpfel zu kaufen. Natürlich ist das nicht so, denn wenn A bei B heute einen Apfel kauft, dann kann B mit demselben Franken nächste Woche auch einen Apfel kaufen. Folglich werden mit jedem Franken mehrere Äpfel gekauft. Gehen wir also davon aus, dass innerhalb eines Jahres mit jedem einzelnen Franken total 2 Äpfel bezahlt werden d.h. wir haben eine Umlaufgeschwindigkeit von 2 und die richtige Geldmenge ist natürlich nicht 100.- (wie oben vermutet) sondern 50.- Fr., weil jeder Franken 2mal eingesetzt wird. Wenn sich nun die Umlaufgeschwindigkeit auf 4 erhöht und die Geldmenge bei 50.- Fr. bleibt, dann gibt es ja in der Wirtschaft eigentlich 200.- Fr. (50.- Fr. mal 4) d.h. jeder der 100 Äpfel kostet nicht mehr 1.- sondern 2.- Fr.


  • Inflation auslösen oder erhöhen können auch steigende Preisen der Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Rohstoffe). Durch die höheren Zinsen bzw. das teurere Öl wird die Produktion sehr vieler Güter damit auch die Produkte teurer.
    Beispiel:
    Wenn in der Apfel-Volkswirtschaft die Zinsen steigen, dann müssen die Apfel-Bauern mehr Zinsen für den Kredit bezahlen, den sie aufgenommen haben, um ihren Traktor zu finanzieren. Sie sind so gezwungen auch einen höheren Preis für die Äpfel zu verlangen.


  • Ebenfalls eine (höhere) Inflation auslösen können Veränderungen bei den Abwertungserwartungen der inländischen Währung. Wenn ausländische Investoren denken der Franken wird sich in Zukunft (stärker) abwerten, dann werden sie bereits heute weniger Geld in der Schweiz anlegen oder sogar bereits angelegtes Geld wieder in Dollar oder Euro umtauschen. Weil es so weniger Kapital auf dem Markt gibt, steigen die Zinsen und es treten dieselben Effekte ein wie oben.

Folgen von Inflation:
Da in der Volkwirtschaft die meisten Verträge für die Zukunft abgeschlossen werden wie z.B. Arbeits- oder Lieferverträge, ist für die Folgen von Inflation entscheidend, ob die Inflation auch in dem Mass erwartet wurde wie sie dann eintritt.
Wenn alle Akteure die Inflation der Zukunft richtig einschätzen, dann gibt es grundsätzlich weder negative noch positive Folgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass alle die Höhe der Inflation richtig einschätzen ist aber (vor allem bei hohen Inflationsraten) sehr gering.
Im weitaus häufigeren Fall, wenn die Inflation zu hoch oder zu tief eingeschätzt wurde, werden die Marktergebnisse verzerrt:
  • Wenn die Inflation zu tief geschätzt wurde, sind die realen Löhne der Arbeiter tiefer als geplant, was die Unternehmen aber dazu bringt mehr zu produzieren. Entsprechend umgekehrt ist es, wenn die Inflation zu hoch geschätzt wird.

  • Ebenfalls tiefer als geplant fallen die realen Zinsen aus, wenn die Inflation zu tief geschätzt wird. Davon profitieren diejenigen die sich Geld ausgeliehen haben (Schuldner). Entsprechend schlechter stehen die Gläubiger da, die das Geld verliehen haben. Auch hier funktionieren die Effekte genau umgekehrt wenn die Inflation zu hoch geschätzt wurde.

  • Genau dieselben Probleme entstehen bei anderen Verträgen, bei denen eine Geldleistung erst in der Zukunft bezahlt werden muss wie. z.B. bei im Voraus festgelegten Renten.

Bekämpfung von Inflation:
Bekämpft werden kann die Inflation bei flexiblen Wechselkursen nur durch die Nationalbank. Wenn wir eine (zu) hohe Inflation haben muss die Nationalbank die Geldmenge verkleinern bzw. das Geldmengenwachstum verlangsamen, um so das Preisniveau zu stabilisieren.

INFLATION BEI FIXEN WECHSELKURSEN
Ursachen von Inflation:
  • Bei fixen Wechselkursen kann die Nationalbank die Geldmenge nicht frei Anpassen, weil sie den (nominalen) Wechselkurs immer gleich halten muss. Dennoch wird in den meisten Fällen auch bei fixen Wechselkursen (hohe) Inflation indirekt durch eine grössere Geldmenge verursacht.


  • Ein wichtiger Grund für Inflation bei fixen Wechselkursen ist die Höhe der weltweiten Inflation. Die Inflation in einer offenen Volkswirtschaft ist abhängig von der Höhe der Inflation im Ausland. Wenn es im Inland eine höhere (tiefere) Inflation als im Ausland gäbe, würde sich dieser Unterschied automatisch ausgleichen. Wenn im Inland die Inflation höher (tiefer) ist als im Ausland, dann ist automatisch der reale Wechselkurs tiefer (höher) und die Ausländer werden weniger (mehr) einheimische Produkte kaufen, weil diese für sie teurer (billiger) sind. Weniger (mehr) Exporte würden aber den nominalen Wechselkurs steigen (sinken) lassen, was die Nationalbank aufgrund des Systems von fixen Wechselkursen nicht zulassen kann. Die Nationalbank wird also die Geldmenge vergrössern (verkleinern) müssen. Im Inland führt das zu einer höheren (tieferen) Inflationsrate.

  • Beispiel:
    Gehen wir davon aus, dass die Apfel-Volkswirtschaft auch Birnen aus dem Birnen-Land importiert. Da es im Birnen-Land einen schlechten Nationalbankpräsidenten gibt, ist die Inflation sehr hoch. Für die Leute in der Birnen-Volkswirtschaft werden die Äpfel deshalb immer günstiger und sie importieren mehr Äpfel aus der Apfel-Volkswirtschaft. Die Nationalbank der Apfel-Volkswirtschaft muss nun die Geldmenge vergrössern, weil sonst automatisch der Wechselkurs zwischen Birnen- und Apfel-Franken sinken würde, was er aber nicht darf weil er gleich bleiben muss. Wenn die Apfel-Nationalbank die Geldmenge vergrössert, dann kosten die Äpfel aber automatisch mehr d.h. wir haben zwangsläufig auch eine höhere Inflation in der Apfel-Volkswirtschaft.

  • Eine (höhere) Inflation kann auch entstehen, wenn die Staatsausgaben erhöht werden. Weil der Staat mehr ausgibt, hat es weniger Kapital auf dem Geldmarkt und die Zinsen steigen. Wiederum werden Ausländer mehr Geld im Inland anlegen und deshalb muss die Nationalbank die Geldmenge ausweiten, um eine Aufwertung der Währung zu vermeiden. Die Ausdehnung der Geldmenge führt dabei zu (höherer) Inflation.


  • Wie die Staatsausgaben kann auch ein höheres Welteinkommen zu (höherer) Inflation führen. Wenn die Ausländer ein höheres Einkommen haben, dann werden sie auch mehr Güter aus anderen Ländern importieren. Wiederum drohen die Wechselkurse zu sinken und die Nationalbank muss intervenieren d.h. die Geldmenge ausdehnen.


  • Wie bei flexiblen Wechselkursen führen auch bei fixen Wechselkursen höhere Preise der Produktionsfaktoren zu (höherer) Inflation.

  • Folgen von Inflation:
    Die Folgen der Inflation sind bei fixen Wechselkursen genau gleich wie bei flexiblen Wechselkursen.

    Bekämpfung von Inflation:
    Da es bei fixen Wechselkursen mehr Ursachen von Inflation gibt, kann eine (zu) hohe Inflation auch über mehr Ansätze bekämpft werden:
    • Ein Ansatz wäre die Staatsausgaben zu senken. Dadurch würden sich die inländischen Zinsen versuchen abzuwerten. Der Währung käme unter Abwertungsdruck und die Nationalbank würde die Geldmenge verkleinern.

    • Eine andere Möglichkeit für ein Land mit fixen Wechselkursen wäre zu flexiblen Wechselkursen zu wechseln und es so der Nationalbank zu ermöglichen selbständig die Geldmenge anzupassen und die Inflation zu senken. Allerdings sind Nationalbanken oft auch einem grossen öffentlichen Druck ausgesetzt die Geldmenge nicht zu reduzieren, um einen wirtschaftlichen Rückgang zu vermeiden. Wenn die Nationalbank also nicht unabhängig genug ist vom öffentlichen Druck kann ein Systemwechsel zu flexiblen Wechselkursen dazu führen, dass die Inflation noch höher wird.

     

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    Artikel wurde am 30.12.2011 aktualisiert


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