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Auch russische Waffen in Betracht ziehen

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Auch rus­si­sche Waf­fen in Be­tracht ziehen!

Im 2. Weltkrieg verfügte unsere Luftwaffe über deutsche und französische Jagdflugzeuge. Wir sollten endlich den vom Bundesrat vorangetriebenen schleichenden NATO-Beitritt beenden und aus militärischen und neutralitätspolitisch​en Gründen auch russische Waffen in Betracht ziehen. Vor mehr als 20 Jahren trat die Schweiz – welch raffinierte Verschleierung des Zwecks – der Partnerschaft für den Frieden der NATO bei, 2014 deren Interoperabilitätspla​ttform.Die Letztere dient dem Einüben des gemeinsamen Kampfes und der Anpassung der Armeen an einheitliche Standards. Am 16./17. Februar 2016 fand auf Einladung des Bundesrates eine grosse NATO-Tagung in Zürich unter Teilnahme von 100 hohen Offizieren des NATO-Kommandos, der 28 Mitgliederstaaten sowie der „Partner“, darunter die Schweiz,statt. Das VBS veröffentlichte erst bei Tagungsbeginn eine Meldung darüber und die grossen Schweizer Medien haben darüber – wohl auf Wunsch des VBS – nichts berichtet. Seit Jahren nehmen Schweizer Truppen an Manövern von NATO-Mitgliedern teil, z.B. im Osten Deutschlands. Vor kurzem reiste der Chef der Armee an eine Konferenz höchster NATO-Offiziere. Die für unsere Zukunft entscheidend wichtige Frage lautet: Wird die Schweiz international noch als neutral wahrgenommen? Jedenfalls schrieb die chinesische kommunistische Tageszeitung Global Times am 26. Februar 2013, die Partnerschaft für den Frieden sei ein Instrument zur weltweiten Durchsetzung der strategischen Interessen der USA. Die Schweiz hätte also allen Grund, auch mit Russland eine militärische Zusammenarbeit aufzubauen, um das neutralitätspolitisch​e Gleichgewicht wieder herzustellen.

Gegenwä​rtig plant der Bund die Beschaffung von Rüstungsgütern, vordringlich von Kampfflugzeugen und Luftabwehrwaffen. Aus militärischen Gründen, aber aus den genannten neutralitätspolitisch​en, sollten auch russische Waffensysteme in die Evaluation einbezogen werden. Russland hat heute wahrscheinlich die besten Luftabwehrwaffen, darunter solche mit einer enormen Reichweite. Die anscheinend von der Schweiz anvisierten amerikanischen Patriot Flugabwehrraketen sollen laut einem Bericht der NZZ vom 27. März 2018 im laufenden Krieg Saudi Arabiens gegen Jemen „grosse Schwächen“ gezeigt haben. Auch Russlands Kampfflugzeuge sind sehr leistungsfähig und erprobt.

Glaubt man den höchsten US Offizieren, so können die US Landstreitkräfte – ein Novum in deren Geschichte – nicht mehr wie bisher damit rechnen, dass die eigene Luftwaffe vor einem Angriff den Gegner aus der Luft zerschlägt. Vielmehr müssten sie wegen der Fähigkeiten Russlands, zuerst das Angriffsziel besetzen und die Luftabwehr ausschalten, bevor die US Luftwaffe eingreifen könne.

Auf die Möglichkeit von Beschaffungen in Russland angesprochen, antwortet das VBS, die russischen Systeme seien mit den unsrigen nicht kompatibel. Da diese Kompatibilität bei uns erst geschaffen werden müsste, würden solche Beschaffungen zu teuer. Woher will man wissen, ob das Argument stimmt, wenn man russische Waffensysteme nicht evaluiert und keine Offerte einholt? Es wäre durchaus denkbar, dass russische Kampfflugzeuge und Flugabwehrmittel derart viel billiger wären als westliche, dass damit leicht die Zusatzkosten für die Herstellung kompatibler Systeme getragen werden könnten.

Dazu kommt noch eine andere Überlegung. Bei Flugzeugkäufen in den USA verliert die Schweiz die Kontrolle über das „Herz“ der Maschinen, die Elektronik. So hat das Schweizer Bodenpersonal keinen Zugang zum wichtigsten Teil der Elektronik in den F-18. Besteht dort ein Problem, müssen Spezialisten aus den USA zu dessen Behebung eingeflogen werden. Während der Arbeiten am System dürfen keine Schweizer dabei sein. Das bedeutet, dass die USA direkten Zugang zur Kommunikation unserer Luftwaffe haben, diese erfassen und ausschalten könnte. Im Neutralitäts-schutz- oder Kriegsfall könnten sie wahrscheinlich verhindern, dass unsere Luftwaffe US und NATO-Kampfflugzeugen vertreibt oder bekämpft. . Da laut SIPOL B 2016, dem Sicherheitspolitische​m Bericht des Bundesrates, ohnehin nur die NATO als Partner im Kriegsfall in Frage kommt – weil nur mit dieser die geforderte Interoperabilität gewährleistet ist – scheint ihn diese Unterwerfung unserer Luftwaffe unter die US nicht zu stören. Aber sie liegt ganz sicher nicht im Interesse unseres Landes.

Noch ein Wort zur Kompatibilität. Heutige Kampfflugzeuge und weitreichende Luftabwehrwaffen sind Teile eines komplexen technischen Gesamtsystems. Bei Kampfflugzeugen gehören dazu die Führung und Steuerung, die Zielerfassung, das Flugzeug und alle Systeme an Bord, für die natürlich passende Ersatzteile vorhanden sein müssen, die verschiedenen Waffen unter den Flügeln und im Rumpf um nur ein paar Beispiele zu nennen. Falls die Schweiz russische Systeme kaufen würde, wäre sie von den USA unabhängig. Es ist zu prüfen, ob sie dadurch so von Russland abhängig würde, wie heute von den USA. Aber im Neutralitätsschutz- und Kriegsfall könnte sie den Luftraum auch gegen Flugzeuge der USA und NATO verteidigen und im Erdkampf auch westliche Verbände bekämpfen. Angesichts der zentralen Lage der Schweiz im Raum der NATO wird diese unsere Neutralität verletzten. Aber ein Kauf russischer Waffen wäre aus Sicht des Bundesrates sehr wahrscheinlich ein Rückschritt beim laufenden Anschluss an die NATO.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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43%
(7 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte March 2018

Kontakte gabs es schon.
Jedenfalls sah ich mal eine russische Mig29 von Dübendorf aus starten.
Schon ne zeitlang her, sah aber cool aus :-)


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88%
(8 Stimmen)
Alex Müller sagte March 2018

Welche Flugzeuge einet die Schweizer Armee anschaffen will, wird die Evaluation zeigen. Es muss ein Flieger sein, über den wir die volle System-Verfügung haben. Eine technische Abhängigkeit hilft uns nicht. Als Lieferanten sehe ich Schweden, Frankreich oder England.
Die Frage nach russischer Luftabwehr darf man diskutieren. Aber wenn wir das tun würden, gäbe es "im ganzen Westen" ein höllisches politisches Theater.



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75%
(8 Stimmen)
J. Wolf sagte March 2018

Wer wirklich neutral sein will, muss seine eigenen Systeme entwickeln und verwenden, denn jedes eingekaufte System hat immer irgendwelche Abhängigkeiten und somit Gefahren für die Unabhängigkeit.

Bi​s aber Pilatus soweit ist, dass ein konkurrenzfähiger Jet bereitsteht, müssten noch ein paar Milliarden in diese Firma investiert werden. Ich wünsche dem viel Spass, der ein solches Budget verteidigen muss....


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63%
(8 Stimmen)
jürg wolfensperger sagte March 2018

Unter anderem möglicherweise auch Russische!........Jed​och haben wir nicht mal französische Mirages gehabt?Unsere Kampfpiloten haben ihn geliebt....!!




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50%
(8 Stimmen)
beb rofa sagte March 2018

Ich denke auch, dass wir für die Armee russische Flugzeuge kaufen sollten. Dann sind wir sicher, dass nicht Elektronik drinn ist, mit der der USA jede Bewegung kontrollieren oder sogar steuern können.




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50%
(8 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte March 2018

Äh ja, einverstanden. Ein etwas legär gemeinter Kommentar über die russische Armee:

Hier zeigen uns der TV Journalist Pavel Selen und die schöne Journalistin Anna Nedelka im Selbstversuch, wie's da so zu und her geht: Überlebenstraining auf Skis, von Murmansk bis nach Vladiwostok, mit englischen Untertiteln:

https​://www.youtube.com/wa​tch?v=3T-RuxvzfNA

​Kurze Ausbildung (in 5 Minuten) an Gewehr AK47 und Panzerabwehrgranate sieht so aus :-)
https://www.yout​ube.com/watch?v=720qR​EywDp8#t=21m20s

Hi​er noch kurz Sightseeing aus Moskau (ahem hier heavy propaganda, beware!!!)
https://w​ww.youtube.com/watch?​v=zQPQLVCfBxU



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56%
(9 Stimmen)
jan eberhart sagte March 2018

Auf keinen Fall darf die Neutralität aufgeweicht werden.

Man denke nur, wenn die Schweiz im 1. WK sich auf die Seite der Mittelmächte gestellt hätte. Oder militärisch im 2. WK eingegriffen hätte.

Wenn zwei Elefanten sich streiten, sollte man in Deckung gehen, bis die Gefahr vorbei ist.

Die Schweiz ist seit 1815 nicht schlecht gefahren, sich aus den Kämpfen der Grossmächte herauszuhalten.


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