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Fehlende Mobilisierungsfähigke​it der Schweizer Armee

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Zur Mobilisierungsfähigke​it der früheren, heu­ti­gen und zukünftigen Armee

Herr Bundesrat U. Maurer ist nicht informiert, als er im Ständerat im Zusammenhang mit der im Rahmen der WEA für einen kleinen Teil der Rumpf-Armee vorgesehenen „Beschleunigung“ der Mobilmachung auf 10 Tage meinte, damit entspräche die Mobillisierungsfähigh​eit wieder der früheren Armee. Der Ständerat hat der WEA, d.h. der Weiteren „Eliminierung“ der Armee mit grossem Mehr zugestimmt. Damit trägt auch er die Verantwortung dafür, dass wir keine Armee mehr haben, deren Hauptaufgabe laut Art. 58 der Bundesverfassung ist, kriegsverhindernd zu wirken.

Was heisst das? Alle Armeen, bevor sie ein anderes Land angreifen, unternehmen eine Kosten/Nutzenanalyse.​ Sie fragen sich, ob der Nutzen eines Angriffes wesentlich grösser ist als die Kosten. In einer der deutschen Angriffpläne im II. Weltkrieg wurde einzeln aufgezählt, darunter an erster Stelle die Alpentransversalen, was noch intakt in deutsche Hände fallen müsse, damit die Schweiz – so wörtlich - „ein angemessener Preis“ für einen deutschen Angriff sei.

Die frühere Armee, sowohl im 2.Weltkrieg wie bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts war innert 2 Tagen mobilisiert. So führte z.B. das Motorisierte Infanterie Regiment 25 in der zweiten Hälfte der 1960-Jahre noch am späteren Nachmittag des Montags, an dem alle Soldaten einrückten, auf der Schwägalp mit Artillerie- und Fliegerunterstützung ein grosses Gefechtsschiessen durch. Auch die feuerunterstützende Artillerie der Mechanisierten Division 11 war am gleichen Montag mobilisiert worden.

In den vergangenen Kriegen in Europa kamen potenzielle Feinde in ihrer Kosten/Nutzenrechnung​ immer zu einem negativen Schluss – trotz unserer erkannten Schwächen – und haben auf einen Angriff auf die Schweiz verzichtet.

Die Russische Armee hat in den letzten 2 Jahren immer wieder unangemeldet grosse Manöver (bis zu 150'000 Mann) mit manchmal Verschiebungen über einige tausend Kilometer innerhalb von 3 Tagen durchgeführt. Was tun dann unsere Soldaten wenn sie nach 10 Tagen z.B. am Flugplatz Meiringen auf die dort schon seit einer Woche eingegrabenen russischen Truppen stossen (die damit einer wahrscheinlichen Besetzung durch die NATO zuvorkommen wollen!)?

Bunderat Maurer und die armeeabschaffenden Ständeräte unter Führung von Herrn Ständerat Kuprecht werden sagen, das sei alles einer der Mythen der ewiggestrigen, im Réduit einbetonierten alten Schweizer Militärköpfe. Lassen wir deshalb andere sprechen:

Der Lord Major von London hatte die Schweiz besucht. Am 11. November 1938 schrieb er in der TIMES, keine Armee der Welt könne so schnell mobilisieren wie die Schweizer Armee. Er empfahl dem Vereinigten Königreich, das Schweizer Mobilmachungs-System zu übernehmen.

Viele in unserem Land haben von der deutschen Angriffsplanung TANNENBAUM von 1940 gehört. Dort kann man nachlesen, dass ein Teil der Grenztruppen innert 5 Stunden kampfbereit sei, die Grenz-, Gebirgs- und leichten Brigaden in 1 Tag, und die Divisionen und Stäbe, also die ganze Armee, in 2 Tagen.

(Der deutsche Generalstabschef Halder rechnete am 27. März 1940 vor dem Angriff auf Frankreich damit, die italienischen Divisionen bräuchten 14 Tage für die Mobilmachung. Dazu käme noch die Zeit für die Verschiebung an die Einsatzorte).

Am 1.September 1940 meldete der italienische Militärattaché, Oberst Bianchi, seiner vorgesetzten Stelle, dass der Schweizer Grenzschutz 3-4 Stunden nach der Mobilmachung ein Dispositiv bezogen haben werde, dass ein auf Schnelligkeit bedachter Angreifer nicht unterschätzen dürfe.

Im KLEINEN ORTIENTIERUNGSHEFT SCHWEIZ für die (deutschen) TRUPPEN IM FELDE vom 1. September 1942 stand: “Das schweizerische Milizsystem ermöglicht eine vollständige Erfassung der Wehrfähigen unter verhältnismässig geringen Kosten. Es erhält den im schweizerischen Volk seit je regen soldatischen Geist und gestattet die Aufstellung eines für das kleine Land sehr starken, zweckmässig organisierten, schnell verwendungsfähigen Heeres. Der schweizerische Soldat zeichnet sich durch Heimatliebe, Härte und Zähigkeit aus”. (Der Verf: Was für ein Kontrast zu heute!).

Am 4. Oktober 1942 wurde die auf Befehl Hitlers von der in Frankreich stationierten deutschen Armee ausgearbeitete Angriffsplanung fertiggestellt. Dort stand, man dürfe bei der Berechnung des deutschen Truppenbedarfes keinesfalls nur von den nach Demobilisierungen gerade Dienst leistenden Wehrmänner ausgehen, sondern müsse den Gesamtbestand der Schweizer Armee für die Berechnung heranziehen, da die demobilisierten Wehrmänner sofort wieder kampfbereit seien.

In der letzten deutschen Angriffsplanung vom Sommer 1943 stand: “Das Schweizer Heer verfügt über eine grosse Tradition. Das Wehrsystem hebt es von vielen anderen hervor. ….. Der Kampfwille des Schweizer Soldaten ist ein hoher und wir werden ihn etwa dem der Finnen gleichstellen müssen (Die 1939/40 einer riesigen sowjetischen Übermacht 4 Monate lang Stand gehalten haben. Der Verf.). Ein Volk, das gute Turner hat, hat auch immer gute Soldaten gehabt. Die Vaterlandsliebe der Schweizer ist auf denkbar höchster Stufe, die Schiessausbildung trotz des Milizsystems besser, als beispielsweise im ehemaligen österreichischen Bundesheer bei 18 Monaten Dienstzeit”. Kein Wunder kommt er zum Schluss: “Die Bezwingung der sich erbittert verteidigenden Truppen im Hochalpenreduit wird eine schwer zu lösende Aufgabe darstellen”.

Mit Blick auf heute, wo die Armee für die meisten Truppen gar keine Ausrüstung mehr hat und die noch vorhandene in 5 jedermann bekannten Zentren konzentriert ist und somit vor einem Angriff zerstört werden kann, ist auch seine folgende Feststellung interessant: “Abgesehen von den beim Mann befindlichen Handfeuerwaffen, ist die notwendige Waffenrüstung in den Depots ausreichend, um die organisationsmässig vorgesehenen Truppen auch wirklich auszurüsten. Die Bereitstellung von Kraftfahrzeugen, Pferden, Fahrrädern usw. ist erprobt.” (Er rechnete – von 470’000 Mann im Jahr 1939 ausgehend – mit inzwischen 550’000 Schweizer Soldaten “in 10-12 Divisionen, 3-4 leichten Brigaden, 4 Gebirgsbrigaden, Grenzschutztruppen, Festungstruppen”).

D​er deutsche General, der diesen Plan ausarbeitete, redete nie über die Mobilmachung. Er ging ganz selbstverständlich vom Gesamtbestand der Schweizer Armee aus, weil er wusste, dass alle Wehrmänner sofort kampfbereit waren. Ausgehend von diesem Gesamtbestand berechnete er die für den Angriff nötigen deutschen Kräfte (die, wie er sagte, von allen Fronten, wo sie im Einsatz standen, abgezogen werden müssten, was dort zu “gefährlichen Einbussen” führen würde).

Die US, einer Forderung Stalins entsprechend, prüften noch im Herbst 1944 eine Umgehung durch die Schweiz der deutschen Front in Frankreich, wo die Alliierten lange stecken geblieben waren. Ihr Schluss: “Wegen der Schwierigkeiten des Geländes und der anerkannten Fähigkeiten, der kleinen, aber effizienten Schweizer Streitkräfte im Kampf auf ihrem eigenen Boden wäre der Erfolg eines solchen Projektes zweifelhaft (doubtful)”. Auch hier wurde ganz selbstverständlich angenommen, die ganze Armee sei jederzeit kurzfristig einsatzbereit.

Der damals weltberühmte US Journalist William L. Shirer hatte es 1939, unmittelbar nach Kriegsausbruch in Berlin (die USA waren noch nicht im Krieg) richtig gesehen: Die Schweiz “hat einen Zehntel der Bevölkerung unter den Waffen, mehr als irgendein anderes Volk der Welt. Sie sind bereit, für ihre Lebensart zu kämpfen… Die Holländer werden für die Deutschen eine leichte Beute sein. Ihre Armee ist miserabel. Die Schweiz wird eine härter zu knackende Nuss und ich bezweifle, ob es die Deutschen versuchen werden.” (Holland kapitulierte in 5 Tagen).
(Quelle: „Hitlers Krieg und die Selbstbehauptung der Schweiz 1933-1945“. Vom Verf.)

Gotthard Frick, Bottmingen, 2.04.2015

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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33%
(3 Stimmen)
Thomas Niedermann sagte April 2015

Danke für den Beitrag Herr Frick

Sicher ist seither etwas Zeit vergangen und Krieg ist eine etwas gar schlimme Variante.
Aber es zeigt eben auf, dass wenn ein Land sich entschlossen in seinen Werten zeigt dann wird es auch ernst genommen. Die fehlende Grösse kann dabei um einen grossen Teil korrigiert werden.
Eine solche Entschlossenheit wünsche ich mir auch von unserer Regierung - denn das was da in den letzten Jahren geboten wurde war nicht sehr beeindruckend. Schwach und unentschlossen gegen aussen. Schwach und nicht konsequent gegen innen. Nur so kann ich mir erklären, dass wir verbrecherischem Verhalten (zb Zinsmanipulationen) nicht selber bestrafen = wir stellen unsere Werte zur Disposition und werden International schwächer.
Meine Hoffnung aber ist gross, das Volk beginnt sich zu wehren - auch die Jungen ziehen mit
Für eine freie unabhängige Schweiz, welche aber auch seinen Werten verpflichtet ist und diese nicht für kurzfristige ökonomische Interessen zur Disposition stellt. Ich will Grund haben stolz auf die Schweiz zu sein und dafür müssen wir auch etwas leisten.


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44%
(9 Stimmen)
Helmut Barner sagte April 2015

Das alles hilft der Schweiz keinen Deut, wenn das Szenario eintrifft, was auch immer mehr wahrscheinlich werden kann - wie Sie ja selbst schreiben - und ein "Unabsichtlicher thermonuklearer Krieg" (siehe Ihren eigenen Blog) die Menschen umbringt. Wie, Herr Frick, wollen Sie diesem von Ihnen beschriebenen Szenario entgehen. Jetzt holen Sie die Meinungen uralter Schlachtrösser aus dem Stall und lassen die Menschheit mit der grossen Gefahr im Regen stehen. Na gut, wir können dann ja sagen: "Wir hatten die beste Armee, dank BR Maurer und Frick, aber gegen den Zufallskick konnten wir natürlich nichts machen." Ob das tröstet? Hat dieser Shirer keinen Plan, wie wir dem heute und in Zukunft entgehen können? Alte Meinungen helfen da nicht!



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