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Flugzeugbeschaffung Verschwendung - Schon mal gehört!

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Flugzeugbeschaffung Ver­schwen­dung - Haben wir schon mal gehört!

Mit der WEA haben wir die Armee praktisch abgeschafft. Sie kann den Verfassungsauftrag, die «Kriegsverhinderung»,​ nicht erfüllen, aber falls wir doch noch erwachen, als Basis für deren Wiederaufbau dienen. Gegenwärtig steht die Erneuerung der Luftwaffe und Luftabwehr zur Diskussion. Aber Frau Priska Seiler Graf, SP Nationalrätin, Oberschullehrerin und Balletpädagogin, ruft zum Referen-dum gegen die Flugzeugbeschaffung auf. Diese sei Verschwendung. Lange vor Frau Seiler Graf wurde das Argument «Verschwendung» schon mal verwendet. Es hatte katastrophale Folgen.

Im August 1939 sagte der Ministerpräsident Finnlands A.K. Cajander sinngemäss stolz, kein Geld für Waffen verschwendet zu haben. Er stand seit 1937 einer Regierung vor, die erstmals seit dem Bürgerkrieg von 1918 aus Sozialdemokaten und Mitglieder des Landbundes bestand. Cajander hielt einen Angriff auf Finnland für undenkbar, obschon der 2. Weltkrieg schon im Gang war. Am 30. November 1939 überfiel die Sowjetunion das weitgehend wehrlose Land ohne Kriegserklä-rung. Cajander trat sofort zurück. Das Volk durfte die Konsequenzen tragen.

Die finnische Armee verfügte deshalb über fast keine schweren Waffen oder Kampfflugzeuge. So hatte das Land nur 100 Flugzeuge aller Art, 30 Panzer, eine Artillerie die grösstenteils aus der Zeit des ersten Weltkrieges stammte. Da nur 100 Fliegerabwehrkanonen vorhanden waren, wurden sie zur Verteidigung der Städte gegen die sowjetischen Luftangriffe eingesetzt (Sie schoss rund 560 Flugzeuge ab, die Luftwaffe rund 240 bei 26 eigenen Verlusten. Die Schweizer Luftwaffe schoss bei den Luftkämpfen von 1940 mit der deutschen auch rund 3 mal mehr deutsche ab, als sie selber verlor). Der Armee konnte keine Fliegerabwehr zugeteilt werden. Sie verfügte auch über viel zu wenig Maschinengewehre.

Von​ 250'000 finnischen Soldaten (bei einer Bevölkerung von nur 3.7 Millonen) konnten 50'000 mangels Ausrüstung gar nicht aufgeboten werden, da sie auch keine privaten Waffen hatten. Auch für viele Zehntausend weitere gab es keine Ausrüstung, aber die hatten private Waffen, wie z.B. Jagdgewehre und wurden aufgeboten. Da sie keine Uniformen hatten, die sie als Soldaten gekennzeichnet hätten, erhielten sie zum Anheften ein Zeichen, um sie als rechtmässige Soldaten gemässer Haager Abkommen zu identifizieren. Die Finnen nannten diese Art der Ausrüstung spöttisch: «Cajander-Modell». Hoffentlich müssen wir nicht bald vom «Priska Seiler Graf Modell» reden.

Die Sowjetunion griff am 30.11.1939 mit mehreren Armee an, die über rund 500'000 Mann und mehr als 2000 Panzer, eine mächtige Artillerie und Luftwaffe verfügte, die schon am Angriffstag Helsinki und mehrere andere Städte bombardierte. Insgesamt fanden mehr als 2000 sowjetische Luftangriffe auf zivile Ziele statt. Die sowjetische Flotte, unterstützt durch die U-Boote, sollte Lieferungen über das Meer verunmöglichen, 3 sowjetische Schlachtschiffe unterstützten die Bodentruppen mit Artilleriefeuer. Aber die Rote Armee war entsprechend «sozialistischen» Anforderungen aufgebaut worden, nicht denen eines Krieges.

Die Finnen waren keine Priska Seiler Grafs. Sie wollten die Unabhängigkeit und die Demokratie ihres Landes bewahren und waren nicht bereit, sich zu unterwerfen. So kämpften schliesslich 200'000 Soldaten  in weissen Tarnanzügen oder weissen Tüchern auf Skis, unterstützt durch eisige Kälte (minus 35°(!)), sehr viel Schnee und die grossen Waldgebiete,  praktisch ohne Luftwaffe und schwere Waffen. Mangels der kleinen Zahl von Panzerabwehrkanonen, erfanden sie die Molotow- Cocktails (Molotow war der russische Aussenminister), d.h. mit Benzin gefüllte Flaschen, die sie auf Panzer warfen. Davon produzierten sie 500'000 Stück. Deren Einsatz setze einen wahren Heldenmut voraus, denn die Soldaten mussten die Panzer bis auf Wurfdistanz, d.h. ca 20 Meter, heranlassen. Grossmasstäblich wurden auch Minen eingesetzt, auf die die Rote Armee nicht vorbereitet war. So erlitt die Rote Armee bis Ende 1939 katastrophale Misserfolge und Verluste. Ganze Divisionen wurden von Soldaten auf Skis eingekesselt, gefangen genommen oder vernichtet.

Dann erkannte Stalin , dass seine «sozialistische» Armee keine Chance hatte. Er liess das Konzept fallen. Die Armee wurde von Grund auf reformiert und militäri-schen Prinzipien untergeordnet. So wurden wieder hohe Offiziersränge, wie General und Admiral, geschaffen, den Offizieren Vorteile, mehr Rechte und Befehlsgewalt verliehen, die Auftragstaktik der deutschen Wehrmacht übernommen, Disziplin und Drill wesentlich verstärkt usw. Dann wurden sogar 4000, nach den Säuberungen von 1937/38 im GULAG eingesperrte und in der Armee fehlende Offiziere zurück in die Rote Armee gebracht und übernahmen wieder ihre Aufgaben. Schliesslich wurden die Truppen an der Front in Finnland massiv aufgestockt, so die Armee in Karelien auf 600’000 Mann. Sie hatte 2000 Panzer, darunter inzwischen auch modernste, teilweise mit weit reichenden Flammenwerfern ausgerüstete, und mehr als 3100 Artilleriegeschütze. Da die Finnen keine schweren Waffen hatten und weitgehend erschöpft waren, konnte die nun so starke, neu aufgebaute Rote Armee durchbrechen und siegen. Am 13. März 1940 unterzeichnete Finnland den Friedensvertrag mit der Sowjetunion und musste schmerzliche Gebietsabtretungen akzeptieren. Es hatte 3 ½ Monate lang der riesigen, feuerkräftigen Roten Armee Stand gehalten. Es nahm dann an der Seite Deutschlands am Angriff auf Russland teil, um die nach der Niederlage an die Sowjetunion abgetretenen Gebiete zurückzuholen. Aber nach der Wende der Kriegslage in der Sowjetunion wurde es nochmals von der Roten Armee besiegt. Aber trotzdem blieb es das einzige von der Sowjetunion unterworfene Land, dass sein demokratisches System behalten konnte und nicht in den Ostblock eingegliedert wurde.  Der Kampfgeist der Finnen hatte Stalin wohl überzeugt, dass sie frei bleiben wollten.

In unseren Zeitungen waren damals Bilder von Haufen tiefgefrorener sowjetischer Soldaten und ausgebrannter Panzer zu sehen. Die Schweizer Frauen (einschliesslich der damals 9-jährigen Schwester des Verfassers) strikten warme Sachen für die finnischen Soldaten. Die UdSSR wurde aus dem Völkerbund ausgeschlossen und Sanktionen unterworfen. Finnland erhielt viel Unterstützung: Flugzeuge aus Frankreich und England, von Schweden 77'000 Gewehre und anderes gestiftet. Zahlreiche Freiwillige darunter 8000 Schweden, auch Dänen, Norweger, Amerikaner, Italiener und Ungarn nahmen auf der Seite Finnlands am Krieg teil. Aber alles kam zu spät, denn man kann eine Armee nicht in kurzer Zeit aufbauen.

Eine neue Weltordnung entsteht. Die Grossmächte, vor allem die USA, Russland und China, aber seit kurzem auch Indien rüsten auf. Ein grösserer Krieg dieser Mächte ist denkbar und würde auch Europa erfassen. Die Schweiz, selbstverschul-det wehrlos, mit ihrem Luftraum und Territorium und hervorragenden Transitlinien ideal im Zentrum der NATO gelegen, würde sofort einbezogen. Wir könnten uns dann fragen, ob eine verfassungsmässige, d.h. kriegsverhindernde Armee nicht viel billiger gewesen wäre, als das Leben unsere Frauen, Kinder und Männer, unsere Städte und das ganze Land in einem Krieg zu "verschwenden".

 


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