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Hurra, es war ein Eritreer

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"Hurra, es war ein Eri­tre­er", stand diese Woche im Ta­ges­an­zei­ger. Im Ar­ti­kel wurde er­läu­tert wie die SVP aus der Tragö­die, wel­che sich vor ein paar Tagen in Frank­furt er­eig­ne­te, po­li­ti­sches Ka­pi­tal zieht. Wenn man denn die Pro­file ei­ni­ger SVP Ex­po­nen­ten an­schau­te, da konnte einem ge­ra­dezu schlecht wer­den. Wie die AfD, so spre­chen auch SVP Po­li­ti­ker*in­nen von Feh­lern in der Mi­gra­ti­ons­po­li­t​ik und einem Asylcha­os. 

In der Schweiz sind die Einwanderungszahlen seit Jahren rückläufig, insbesondere auch im Asylbereich. Mit den Bundeszentren sollen Asylverfahren innert 140 Tagen abgeschlossen sein. Von einem Chaos kann nicht die Rede sein. Es gibt keinen Handlungsbedarf! 

Gla​rner entsetzt sich etwa, dass der Täter von Frankfurt von Solidar Suisse als gutes Beispiel für Integration genannt wurde und verweist auf den Jahresbericht 2017 der SAH. Ausserdem weist er mit seinem Schlachtruf "Schweizer, erwachet!" darauf hin, dass viele Rentner (die Rentnerinnen erwähnt er wieder einmal nicht) sich ein Zugbillett vom Mund absparen müssen. Ein Asylbewerber könne sich einfach so eine Bahnfahrt nach Frankfurt leisten. Wenn ich die Berichterstattung richtig verfolgt habe, dann handelte es sich hier nicht um einen Asylbewerber, der Mann war für die Verkehrsbetriebe Zürich tätig. 

Die Polemik von rechtsextremen Politikern war zu erwarten, ist aber trotzdem ekelerregend. Aber es sind nicht die paar rechtsextremen SVP Politiker, sondern es sind die hunderten von Zujubler*innen in den Kommentarspalten die mir Sorge bereiten. 

Was hat die Tragödie von Frankfurt mit unserer Asyl- und Migrationspolitik zu tun? NICHTS! Es handelte sich um einen psychisch kranken Menschen. Wenige Tage zuvor, wurde in der Nähe von Frankfurt ein Eritreer von einem Rechtsextremen erschossen. Sind dafür nun auch alle Deutsche verantwortlich? Die Berichte über Familiendramen sind auch regelmässig in den Medien. Dies alles hat nichts mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik zu tun. Vielleicht mehr mit der Frage, wieso Waffen so leicht erhältlich sind. Gerade der Abstimmungskampf um das EU-Waffengesetz hat gezeigt, dass die SVP die Waffen als Zeichen von Freiheit sieht, in der Tat sind es eben Waffen und bedeuten tote Menschen. 

In den Kommentarspalten war wieder zu lesen wie wir Eingewanderte durchfüttern, wie sie die hohle Hand machen. Auch das Ammenmärchen, dass Rentner*innen weniger Geld als Asylbewerber erhalten, machte die Runde. "Herr Glarner, als Nationalrat sollten Sie unser System kennen! Das erwarte ich von einem Politiker!". In der Schweiz gibt es EL (Ergänzungsleistung) für IV- und AHV-Bezüger*innen. Junge Erwachsene welche Sozialhilfe beziehen liegen im Fokus der Arbeitsintegration, das macht Sinn. Aber das wird so gehandhabt, unabhängig welchen Pass jemand hat. Es gibt keine Bevozugugung von vorläufig Aufgenommenen, Migrantinnen und Migranten. Im Kanton Zürich erhalten vorläufig Aufgenommene (Ausweis F) 30 Prozent weniger auf dem Grundbedarf, sie erhalten Asylfürsorge. 

Und was die Markenartikel betrifft, welche Asylsuchende oft hätten, das hat einen guten Grund. Wer über ein kleines Budget verfügt, kann die Caritas Kulturlegi beantragen und erhält Zugang zu den Secondhandprodukten zu einem vergünstigten Preis. Und ja, da werden auch sehr oft Markenprodukte verkauft, welche gespendet wurden. Und Menschen mit kleinem Einkommen haben oft auch die Möglichkeit, zum Beispiel bei der Heilsarmee , Kleidung gratis zu beziehen. 

Schweizer*​innen erwachet! Wer Ammenmärchen und Hetzerei betreibt, hat am 20. Oktober nichts zu suchen im Nationalrat!


Kommentare von Lesern zum Artikel

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76%
(21 Stimmen)
Otto Jossi sagte August 2019

Es war zu erwarten , dass jemand mit dieser Tragödie profitiren wird. Ich weiss nicht, ob das die SVP wirklich war. Aber Sie Herr Daniel Peter wollen mit dieser reisserischen Aufmachung Kapital schlagen.
Flüchtling​e, die den Krieg erlebt haben, werden alle über kurz oder lang psychische Probleme haben und brauchen die Psychiatrie. Das Erleben im Krieg verursacht ungemeine seelische Schäden. Auch Soldaten, die zurück kehren haben solche, darunter sind auch Schweizer Soldaten (zum Beispiel bei den Einsätzen in Exjugoslawien).


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71%
(17 Stimmen)
Alex Müller sagte August 2019

Tötungsdelikte sind schlimm und kommen leider zu oft vor. Warum diese Tat in Frankfurt geschah, wird sich noch zeigen. Dort bleibt eine Mutter allein ohne ihr Kind zurück. In der gleichen Zeit hat ein Deutscher seine Schweizer Frau in Au /Wädenswil im Streit umgebracht. Hier bleibt ein elf Monate altes Kind zurück ohne Mutter, ohne Vater. Wissen wird es das erst Jahre später.

Der Aufschrei "Schweizer erwachet !" blieb bei diesem Tötungsdelikt aus. Warum eigentlich? Der Mörder ist doch auch ein Ausländer!


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76%
(25 Stimmen)
Hans Knall sagte August 2019

Die total klägliche Heuchelei, die Sie da einmal mehr an den Tag legen, Herr Peter, um selber aus dem schockierenden Fall des Mörder-Eritreers für Ihren primitiven SVP-Hass Kapital zu schlagen.
Mit „hurra, er wohnte in der Schweiz“ könnte man den reflexartigen Hinweis auf dieses Detail bezeichnen.

Und dann kommt die ganze Leier von wegen die SVP ist wie die AfD, Glarner ist ein Böser, von SVP-Exponenten wird einem schlecht, alles was die Kritiker der Asylchaospolitik sagen ist gelogen, die Asylantenzahlen steigen momentan nicht (entsprechen aber immer noch Grössenordnungen von ganzen Städten jedes Jahr) deshalb gibt es keinen Handlungsbedarf, der harmlose Mörder war Chef der Verkehrsbetriebe, Bürger welche die SVP unterstützen sind ekelerregend, junge Erwachsene welche Sozialhilfe beziehen sind Belege sinnvoller Arbeitsintegration, Kritik an Vorzugsbehandlung ist Hetzerei, denn wer über ein kleines Budget verfügt hat Anrecht auf Markenartikel…
Ungla​ublich, was Sie alles an Hassbotschaften unter dem Heuchlertitel „Hurra es war ein Eritreer“ unterzubringen wissen.

Ist das nicht ekelhaft?


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31%
(13 Stimmen)
Valentina Welser sagte August 2019

Wenn die liberale, moderne Staatsordnung etwas geschaffen hat, dann ein individuelles Rechtsverhältnis Bürger - Staat.
Bedauerlicher​weise wurde die Sache nie ganz zu Ende gedacht, und eine Weltbürgerschaft hergestellt. Staatszugehörigkeit wird so zur Tombola des Lebens.
Nach wie vor ist die schweizerische Gesetzgebung Sippenhaft (Verwandtenunterstütz​ung) oder Ehe, Normen unterworfen, die in diesem Rechtsverhältnis nichts verloren haben.
Zeit, damit aufzuräumen und das Versprechen der liberalen Staatsordnung wahr zu machen!


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72%
(25 Stimmen)
Franz Krähenbühl parteifrei sagte August 2019

Um Gottes Wille, diese fiese Häme!


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