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Ist die Globalisierung auch dank Corona am Ende?

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DIE
 
EID-GENOSSENSCHAFT​​​​
 
DER SCHWEIZ
 
 
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1.  Souveränität
 
1.  Souveränität
 
1.​  Souveränität
 
 
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2.  Eine direkte Demokratie
 
2.  Eine direkte Demokratie
 
2.  Eine direkte Demokratie
 
 
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3.​​​​​​​​​​​​  = Freiheit
 
3.  = Freiheit
 
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"W​EN​DEZEI​T​"​
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«​Wi​r haben den höchsten Pegelstand der Globalisierung erreicht», sagt der britische Starökonom Paul Collier. Er sieht die Zukunft in kleinen, selbständigen Systemen. Und empfiehlt, von der Natur – und von der Schweiz – zu lernen.

 

 

Flederm​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​äu​​​​​s​e​,​ Schlangen, Federvieh? Die Welt rätselt, durch welches Tier das Elend seinen Anfang nahm. Doch längst sind an Stelle der Biester wir selbst getreten. In Zeiten der Hypermobilität, Budgetreisen und dichten Versorgungsketten ist der Mensch primärer Treiber der Corona-Epidemie.

 

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A​m​ Beispiel von Covid-19 erfahren wir quasi im Minutentakt die Kehrseite der Globalisierung. Maximale Vernetzung führt zu maximaler Abhängigkeit. Wird die Lieferkette an Gütern und Ersatzteilen durch ein grosses Ereignis unterbrochen, verstummen nicht nur Mobiltelefone. «Die Chinesen haben die Souveränität über meinen Harndrang», so ein Patient im Bekanntenkreis, der sich um den Nachschub seines Medikamentes sorgt. Da wir grosse Teile der Produktion von Arzneimitteln nach Asien ausgelagert haben, wachsen hier die Ängste. Kommt es zu Lieferengpässen bei Medikamenten wie Antibiotika, geht es buchstäblich um Leben und Tod.


 

 

«Wir wollen zusammengehören»: Oxford-Professor Collier.

 

Pau​l​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​ Collier ist Professor für Wirtschaft und öffentliche Politik an der Blavatnik School of Government in Oxford. Er ist Autor verschiedener Standardwerke über Migration («Exodus») und Armut («Die unterste Milliarde») und zählt zu den führenden Wirtschaftswissenscha​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​f​t​l​e​r​n​ der Gegenwart.

Paul Collier, John Kay: Greed Is Dead. Politics After Individualism. Erscheint im Juli.

 

 

Politik nach dem Individualismus

 

Sin​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​d​ wir mit der Globalisierung zu weit gegangen? «Natürlich sind wir das», sagt Paul Collier, einer der führenden Ökonomen unserer Zeit. Wirtschaftliche Abhängigkeiten seien das eine, gesellschaftliche Isolation das andere. «Jeder gehört überall und nirgendwo hin, das ist die psychologische Kehrseite der Globalisierung.» Die Folge davon sei das selbstreferenzielle Individuum: die Selfie-Gesellschaft, bei der sich alles nur noch um das Ich dreht. Diese Entwicklung nennt Collier eine «Tragödie», da sie im Kern dem menschlichen Naturell widerspreche.

 

«Der Mensch ist von Natur aus sehr viel sozialer orientiert als Tiere. Wir wollen zusammengehören und uns um andere kümmern, Verpflichtungen gegenüber anderen haben und Verpflichtungen von anderen akzeptieren.»

 

Ist die vernetzte Welt nicht geradezu ein ideales Biotop für soziale menschliche Wesen? Eben nicht. Das Individuum verliere in der globalisierten Welt die Orientierung und konzentriere sich letztlich auf sich selbst. Deshalb kann Entwicklungsökonom Collier dem Corona-Schock auch eine positive Seite abgewinnen. Wer sich nun aus Furcht vor Ansteckung in die eigenen vier Wände verkriecht und in der Zwangsentschleunigung​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​ über unser Leben in Überschallgeschwindig​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​k​e​i​t​ zu sinnieren beginnt, wird sich möglicherweise der globalen Verstrickungen bewusst.

 

Der Kapitalismus "moralisch bankrott?"

 

Die kritische Reflexion über die Wildwüchse des Kapitalismus sei durchaus eine positive Seite der Corona-Plage, findet Collier. In seinem letzten Buch, «The Future of Capitalism», argumentierte er, der Kapitalismus sei «moralisch bankrott». Man dürfe ihn nicht sich selbst überlassen. Man müsse ihm ein menschliches Antlitz verpassen und ihn auf eine neue, ethische Grundlage stellen, ihn in einen «sozialen Kapitalismus» überführen (Weltwoche Nr. 8/19).

Jetzt wird Collier im Gespräch noch deutlicher. Er spricht von einer «Wendezeit». «Ich denke, wir haben den höchsten Pegelstand des Individualismus und der Globalisierung erreicht.» Dem Thema widmet Collier sein neues Werk, das im Juli erscheinen soll. Titel: Die Gier ist tot. Politik nach dem Individualismus*. «Wir werden uns jetzt weltweit auf eine stärker kommunitaristisch geprägte Wirtschafts- und Sozialstruktur zubewegen.» Colliers Prognose: Die vollständig globalisierte Gesellschaft erweist sich als Fantasie. An ihrer Stelle werden sich künftig verstärkt einzelne Gemeinschaften ausprägen. «Die Gemeinschaften sind nicht völlig in sich geschlossen, sie handeln miteinander, ihre Mitglieder besuchen sich gegenseitig.»

Ein Einwand: Trotzdem dürfte es die Globalisierung sein, die uns über die derzeitige Krise hinweghelfen wird. Im Mittelalter, als die Welt noch kaum vernetzt war, verseuchte die Pest ganze Landstriche und tötete 25 Millionen Menschen. Heutige Plagen können nicht mehr über lange Zeit derart horrenden Schaden anrichten. Durch die globale Verflechtung der Wissenschaft findet ein weltweiter Austausch von Forschern statt. Sie erkennen Infektionsketten, analysieren die Beschaffenheit von Viren und werden in Kooperation einen Impfstoff entwickeln. Somit ist die Globalisierung letztlich eine Falle für das Coronavirus und andere Viren.

Das mag uns allerdings bloss eine Atempause verschaffen, bis uns die nächste Krise ereilt. Was die Corona-Pandemie besonders irritierend macht, ist die hohe Zahl an unbekannten Faktoren, die sie mit sich bringt. Unsicherheit schürt Ängste und verleitet zu Panik und irrationalem Verhalten.

 

Der Schlüssel.

Gehört es nicht zum Leben, dass wir dauerhaft mit Unsicherheiten leben müssen?.

 

Doch, meint Collier, entscheidend aber sei, wie wir uns auf diese Unsicherheiten einstellten. Er verweist auf ein eben erschienenes, «brillantes» Buch: «Radical Uncertainty. Decision-Making for an Unknowable Future», heisst es. Co-Autor ist Mervyn King, der ehemalige Gouverneur der Bank of England. Es zeige einen Weg auf, wie sich eine Gesellschaft durch eine Welt voller Unbekannten mit weiser Vorsehung navigieren könne. Der Schlüssel liege im Konzept der «Belastbarkeit» (resilience). «Wir müssen unsere Gesellschaften so führen, dass sie gegenüber unvorhersehbaren Dingen widerstandsfähiger sind. Das haben wir bislang nicht getan», kritisiert Collier.

 

Wir haben innerhalb des Modells der Globalisierung die Gewinne maximiert und dafür die Widerstandsfähigkeit geopfert.

 

Wir haben uns so verhalten, als würde das Modell ewig weiterlaufen. Wir brauchen ein deutliches Umdenken in der Politik, das uns zu grösserer Belastbarkeit zurückführt.»

Dabei könnten wir von der Natur lernen. «Alle Arten, die lange überlebt haben, haben in ihren biologischen Systemen eine grosse Widerstandsfähigkeit eingebaut.» Das Erfolgsrezept ihrer Widerstandsfähigkeit sei die Modularität. «Man will kein System, das nur mit einem Gehirn funktioniert. Wenn das Gehirn ausfällt, bricht das ganze System zusammen.» Systeme, die überleben, haben modularen Charakter. Das heisst: Sie haben viele in sich geschlossene Systeme, die weitgehend selbständig funktionieren können.

"In gewisser Weise hat die Schweiz eine politische Struktur, die ziemlich modular ist», so Collier. Sie habe wegweisenden Charakter. «Wir sollten unsere gesamten Wirtschaften und Gesellschaften in diese Richtung gestalten."

WW Nr. 11 v. 12.03.2020
von Urs Gehriger
 
 
 
 
 
S​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​​c​h​l​u​s​s​f​o​l​g​​e​​r​​u​​n​​g​​e​​n​​​
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1.​​  Der Corona-19 Virus hat es uns auf brutale Weise an den Tag gebracht, nämlich wie verletzlich wir auch in der Schweiz geworden sind. Masken und Schutzanzüge schon vor Jahren, tausende von Spitalbetten i.d. Alpenfestungen wurden recht bedenkenlos entsorgt. Beides fehlte uns heute in dieser Coruna-Krise bitter, wir mussten Masken aus China notfallmässig zu importieren versuchen, doch China braucht diese selber. Allerdings genügte es noch dass China Italien belieferte, wozu die EU sich als nicht fähig erwiesen hat.
 
 
2. Oxford-Professor Collier sieht dies genau richtig, wir Menschen wollen zusammengehören und uns um andere kümmern, Verpflichtungen gegenüber anderen haben und Verpflichtungen von anderen akzeptieren. Dies kann in einer direkt demokratischen Regierungsform wie die förderativ (Gemeinden, Kantone, Bund) aufgebaute Schweiz (noch) verwirklichen. Aber selbst da muss die Selbstsucht von einigen Weniger immer wieder neu überwunden werden, nämlich zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger.
 
 
3. Zur direkten Demokratie i.d. Schweiz müssen wir absolut Sorge tragen, also uns sicher nicht in die zentralistische EU freiwillig begeben, wo bekanntlich von oben nach unten bestimmt wird. Deshalb ist es Bürgerpflicht den sogenannten "Rahmenvertrag" mit automatischer EU-Rechtsübernahme abzulehnen.
 
 
4. Wie schon Immanuel KANT es formulierte: "Ein vereinigtes Europa (was ja dem Sinne nach sehr erstrebenswert ist) müsste wie i.d. Schweiz von unten nach oben, nicht von oben nach unten regiert & institutionalisiert werden."  Also bleibt vernunftmässig nur eines - sofern wir überhaupt wirklich noch gefragt werden -  wir müssen diesen "EU-Rahmenvertrag" unbedingt in diesem Jahr sehr deutlich ablehnen an der Urne. Wir retten damit unseren von Generation zu Generation mühsam aufgebauten Wohlstand der Schweiz mitten im Herzen von Europa. Noch wichtiger vor allem aber unsere Souveränität und FREIHEIT, nämlich in einer weiterhin souveränen und neutralen Schweiz leben zu dürfen. Genau diese Freiheit meinte schon unser Landesvater "Bruder Chlaus" damit: "Macht den Zaun nicht zu weit." Eine Mehrheit der EU-Bürger wünscht sich nämlich genau diese "direkt demokratische Freiheit" von uns Schweizer doch sehnlichst schon lange auch.
 
 
 
 
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Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

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W​e​r​ die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

 

 

 

 
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