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Nein zu weiterer Verstaatlichung des Gesundheitswesens

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Nun steht sie also vor der Türe, die In­itia­tive be­tref­fend Einheitskrankenkasse.​ Jedenfalls frohlock­ten heute ei­nige der Ver­ant­wort­li­chen be­reits viel­ver­spre­chend. Verständlicherweise, denn die stei­gen­den Ge­sund­heits­kos­ten​ und Krankenkassenprämien heiz­ten nicht nur die Dis­kus­sion um eine Einheitskrankenkasse ​an, son­dern brach­ten auch die not­wen­di­gen Un­ter­schrif­ten zu­stan­de.

 

Selbstverständli​ch bin auch ich über die Kostenentwicklung besorgt - nur sehe ich die Lösung der Probleme nicht in der Einheitskrankenkasse.​ Ich bin der festen Überzeugung, dass eine Monopolisierung der falsche Ansatz ist. Die Wahlfreiheit wird aufs Spiel gesetzt, der Wettbewerb ausgeschaltet. Wo das hinführt, erleben wir täglich in verschiedenen anderen Bereichen unseres Lebens: Der Konsument profitiert jedenfalls nicht davon. Und eines ist klar: Innovation - und diese ist auch hier nötig - ist nur dank Wettbewerb möglich. Dank Wettbewerb können wir alle - selbst vom Krankenbett aus - jedes Jahr die Grundversicherung ohne Konsequenzen wechseln und dabei sehr viel Geld sparen.

 

Weitere Verstaatlichung des Gesundheitswesens

 

Der wichtigste Punkt scheint mir, dass eine Einheitskrankenkasse zu einer weiteren Verstaatlichung des Gesundheitswesens führt. Denn wenn man nur einen Zahler hat, wird dieser auch die Leistungen diktieren. Ob man das will, ist ein Grundsatzentscheid. Ich halte jedenfalls nichts davon.

 

Auch die Schweizer Bevölkerung weiss genau, dass das eigentliche Problem des Gesundheitssystems nicht in der Finanzierungsmethode liegt. Sie hat dies zwischen 1994 und 2007 dreimal an der Urne bekräftigt, mit Mehrheiten von jeweils über 70%. Die Schweizer Bevölkerung weiss auch, dass man sich den Ursachen des Prämienanstiegs zuwenden sollte, also den beanspruchten und erbrachten Leistungen.

 

Dass die Krankenversicherungsp​rämien ansteigen, hat  vor allem mit den Leistungskosten, den Spitalleistungen, den Medikamenten, den Arztbesuchen, der Anspruchshaltung der Bevölkerung und den Reserven der Krankenversicherer zu tun.

 

Etwas will ich dabei speziell erwähnen:

 ​

Die reinen Verwaltungskosten machen bei den Krankenversicherungen​ insgesamt 5% aus. Man muss bei den anderen 95% ansetzen. Und da ist das Ganze sehr viel schwieriger, wie jeweils Bemühungen in den Kantonen zeigen, wenn es darum geht, Spitalinfrastrukturen​ zu schliessen. Da halten sich jene Kreise, die nun die Einheitskrankenkasse fordern, vornehm zurück, um es höflich auszudrücken. Ins gleiche Kapitel gehören auch die Diskussionen und Entscheide im eidgenössischen Parlament, wenn es um KVG-Änderungsvorschlä​ge und Einschränkungen des Grundleistungskatalog​s geht. Auch hier ist es speziell ärgerlich, wenn ausgerechnet einige der Befürworter der Einheitskrankenkasse an der Spitze jener Kräfte stehen, die nun die Managed Care-Vorlage mit allen Mitteln bekämpfen. Ich gehe davon aus, dass die Bevölkerung diese Politik an der Urne nicht belohnen wird. 

 

Verfeineru​ng des Risikoausgleichs ist zwingend

 

Persönli​ch habe ich konkrete Vorschläge, was man auch ohne Einheitskrankenkasse tun kann, ja tun sollte: Das System der Billigkassen hat keine Zukunft. Der Gesetzgeber muss hier die notwendigen Riegel schieben. Davon bin ich überzeugt. Der Wettbewerb zwischen den Kassen soll sich nicht darauf konzentrieren, wer die besseren Risiken anzieht, sondern wer die besseren Versorgungskonzepte anbietet. Es braucht also eine Verfeinerung des Risikoausgleichs. Wer gesunde und junge Mitglieder hat, soll Geld in den Topf einzahlen, wer chronisch Kranke versichert, soll Geld aus dem Topf erhalten. Damit werden auch die Billigkassen gestoppt. Und schliesslich braucht es Einschränkungen bei den aggressiven Marketingmethoden einzelner Krankenkassen.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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73%
(11 Stimmen)
X Y sagte January 2012

Mir gefällt das Schlagwort Verstaatlichung in diesem Zusammenhang nicht. Was hat die Grundversicherung denn mit Privatwirtschaft zu tun? Das Angebot wird vom Staat festgeschrieben, die Kunden werden zum "Konsum" gezwungen, dafür gibt's staatliche Unterstützung (Prämienverbilligung)​ und staatlich verordneter Risikoausgleich.

A​us meiner Sicht ist die Grundversicherung bereits ausserordentlich staatlich und das ist auch richtig so. Es gibt Billigkasten, welche die Patienten zwingt, ihre Medikamente in der Apotheke bar zu bezahlen. Damit sollen chronisch Kranke mit teuren Medikamenten zur Konkurrenz abgeschoben werden. Gehört das zur hochgelobten Privatwirtschaft?


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70%
(20 Stimmen)
Joachim Eder sagte December 2011

Sehr geehrte Herren Rainer Selk, Roland Steiner, Alex Schneider, Michel Ebinger, Hans Meier, Heinz Mahler und Peter P. Bauer

Kurz vor dem Jahresende danke ich Ihnen allen ganz herzlich für Ihre Rückmeldungen zu meinem Blog. Der intensive Meinungsaustausch ist grundsätzlich erfreulich. Die Vielfalt Ihrer Ansichten zeigt aber auch ganz eindeutig, dass uns noch grosse Diskussionen bevorstehen, bis dann die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an der Urne über die Einheitskrankenkasse abzustimmen haben. Ich bin guten Mutes, dass die Mehrheit der Bevölkerung die damit verbundene Verstaatlichung des Gesundheitswesens ablehnt. Dazu braucht es aber immer noch deutliche Verbesserungen in der Spitalpolitik der Kantone, deutliche Zeichen bei den Krankenkassen selber und schliesslich auch ein eidgenössisches Parlament, welches endlich wegkommt vom jahrelangen Treten an Ort.


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69%
(13 Stimmen)
Peter P. Bauer sagte December 2011

Die Schweiz muss in sieben Gesundheitsregionen aufgeteilt werden (mit ca. je 3 bis 6 Kantonen). Diese Gesundheitsräume planen und verwalten, kantonsübergreifend, das Gesundheitswesen gemeinsam. Das schafft Synergien und senkt die Kosten. Teure, kantonale Spitallösungen sind zugunsten homogener Gesundheitsräume aufzugeben. Die Spitalplanung wird mit gemeinsamen Spitallisten definiert. Regionale Kompetenzzentren werden mit hohem Qualitätsstandard realisiert. Für die Spitzenmedizin sind gemeinsame Trägerschaften zu bilden (Universitätskliniken​). Das Angebot an Spitälern muss in der ganzen Schweiz massiv abgebaut werden. Die Einführung von Fallpauschalen wird dies erzwingen. Ausserdem sind die Krankenkassenprämien innerhalb einer ganzen Gesundheitsregion zu harmonisieren. Dazu braucht es nur noch max. 10 Krankenkassen.


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73%
(11 Stimmen)
Heinz Mahler sagte December 2011

Mich interessiert wie viel die Beiträge der Kantone/Gemeinden usw, aus Steuereinnahmen in den letzten Jahren an den Gesundheitskosten gekürzt wurden und den KK Prämienzahler auferlegt wurden!? Da liegt sicher ein hoher Teil an versteckter Steuererhöhungen drin wie das gegenwärtig bei der IV gemacht wurde wo die Kantonalen Beiträge an die IV von 12,5% gekürzt (aufgehoben) wurden. Faktisch ist das einfach eine Steuererhöhung (beschiss), Politiker sagen vermutlich Verursachergerecht finanzieren. Wo aber bleiben die Steuersenkungen für den kleinen Bürger, respektive Kompensation der KK Beiträge! ?

Ich denke bei der KK werden wie bei der AHV/IV Finanzierung nicht mit offenen Karten gespielt und der normale Bürger hinters licht geführt.
Ich sehe in Spitäler bereits desolate zustände verglichen mit dem Service den man vor 10-20 Jahren erhalten hat. Z.b auch viel zu teure Renovationen von Spitalgebäuden. Dazu Ärzte Chronisch kranke lieber nicht mehr in ihrer Praxis sehen wollen und mit nicht optimalen/unnötigen Behandlungen den Patienten rausekeln.

Ich sehe keinen Grund weshalb man die Staatlich verordnete Leistung von Privaten Anbieter vermitteln lassen soll. Die Kantone hätten es dann auch einfacher beim Spitalaufenthalt auch noch das Toilettenpapier separat zu verrechnen und mit den Spittalleistungen mitverdienen, oder einem Kreditgeber eines Spital überhöhte Gewinne bescheren.
Verursachergerecht und Kostenneutral, hauptsache rasch zu beschliessenden Gesetze sind möglich. Kostenoptimierung ist ja Zweitrangig (Ironie)


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84%
(19 Stimmen)
Hans Meier sagte December 2011

Das nenne ich ideologische Luftblasenpolitik. Herr Steiner hat geschrieben wie sparen machbar wäre.
Ob staatlich oder Private Kostenverteilung ist doch einerlei. Beim Staat verpuffen die Gelder in Ineffizienz (wer einmal mit der AHV Kontakt hatte weiss, wovon ich spreche) bei den Privaten verpufft das Geld als Managerboni. Mir als Zahler und Kunde ist ein Kompetenter, das heisst privater Ansprechpartner lieber.




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67%
(18 Stimmen)
45 45645 sagte December 2011

Ich glaube das Gesundheitswesen kann durch eine Einheitskasse nicht noch mehr verstaatlicht oder Bürokratisiert werden. als es eh schon ist


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41%
(22 Stimmen)
Alex Schneider sagte December 2011

Mit einer öffentichen Einheitskasse mit kantonal differenzierten Prämien könnte gezeigt werden, wie effizient ein öffentlicher Betrieb im Vergleich zu den privaten Kassen sein kann. Die Krankheitskosten sind zwar bedeutender als die Verwaltungskosten. Nur immer auf andere Kostenfaktoren im Gesundheitswesen zu zeigen und die eigenen Interessen zu schonen ist billig.


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72%
(18 Stimmen)
Roland Steiner sagte December 2011

Ja Herr Eder, ich bin zwar ihrer Meinung, dass die Einheitskasse nicht den gewünschten Effekt bringt. Aber nur die Vorschläge von anderen zu kritisieren ist auch nicht sehr konstruktiv.

Sie als Ständerat sitzen doch an der richtigen Stelle. Sie könnten etwas bewirken um unser Gesundheitssystem zu verbessern. Wo sind ihre Vorschläge???

Dami​t sie etwas zum nachdenken haben, hier wieder mal meine Vorschläge. Ich würde mich sehr über eine konstruktive Diskussion zu diesen Vorschlägen freuen.

Somit hier wieder einmal mein Vorschlag:

-Die Gesundheitsversorgung​ wird über 50 unterschiedlich spezialisierte Spitäler gesammtheitlich sichergestellt. Dort werden alle planbaren grösseren Eingriffe und die Weiterversorgung von grösseren Notfällen durchgeführt. Gemäss Studien sollten diese 50 Spitäler für die Schweiz ausreichend sein.

-Für Notfälle sollen Notfallstationen gesammtschweizerisch so verteilt sein, dass eine von diesen von jedem Ort in der Schweiz innert vernünftiger Zeit erreicht werden kann. Dazu könnten z.B. ehemalige Spitäler zu Ärztezentren umgebaut werden. Dort währen mehrere Hausärzte mit einer gemeinsamen Infrastruktur tätig die auch gleichzeitig die Notfallversorgung gewährleisten würden.

-Die frei werdenden Einrichtungen und auch das Personal könnten weiterverwendet werden. Da unsere Bevölkerung immer älter wird, wird der Bedarf an entsprechenden Einrichtungen und Fachpersonal immer grösser.

Das Gute an meinem Vorschlag ist auch, dass sich durch die Spezialisierung und die Qualität des schweizerischen Gesundheitssystems verbessern würde.

Leider werden solche Ideen nicht verwirklicht, da es zu viele Interessensgruppen gibt die vom jetzigen System profitieren. Und dies auf Kosten der Allgemeinheit.





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