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Vergessene Klugheit: Wie Normen uns am Denken hindern.

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Es ist klar, dass wir gegen die AfD oder die Pe­gida (oder die SVP in der Schweiz! Anm. A.S) sind, wenn im öf­fent­li­chen Dis­kurs die Ab­leh­nung die­ser Par­teien in­sze­niert wird. Als Teil einer Ge­mein­schaft tan­zen wir mit, äus­sern die­sel­ben Tö­ne, da wir da­zu­gehören wol­len. Pa­ra­dig­men, die im öf­fent­li­chen Dis­kurs ab­ge­han­delt wer­den, kön­nen wir nicht un­ge­straft kri­ti­sie­ren. Sol­che Ab­hän­gig­kei­ten zu er­ken­nen, ist wich­tig, um die ei­gene Klug­heit zurück­zu­ge­win­nen.​ Un­sere Göt­ter ver­ber­gen sich heute nicht in der Natur und ma­chen sich auch nicht über Donner­geräusch be­merk­bar, son­dern sie ver­ber­gen sich hin­ter den Pa­ra­dig­men des öf­fent­li­chen Dis­kur­ses. Die ei­gene Klug­heit kön­nen wir zurück­ge­win­nen, wenn wir uns die­ser Ein­bet­tung be­wusst wer­den und un­se­ren Geist ent­spre­chend schär­fen. Um uns vom Glau­ben an Nor­men und vom Dik­tat des Mei­nungs­ka­n­ons zu be­frei­en, braucht es eine Ein­stel­lungs­än­de­​rung. Wir sol­len uns nicht nur ope­ra­tiv und ziel­ge­rich­tet in un­se­rem zi­vi­li­sa­to­ri­sch​en Ha­bi­tat be­we­gen, son­dern in­ne­hal­ten und ü­ber­le­gen, was der Kon­text mit uns macht. Es gilt, Di­stanz zu neh­men und den Mut zu ge­gensätz­li­chem Den­ken auf­zu­brin­gen. Es gilt, die Ma­na­ge­ment-Hal­tun​g zu ver­las­sen, die leichte Zer­streu­ung, das Spie­le­ri­sche, ket­ze­ri­sche Ge­dan­ken, Acht­sam­keit und vor allem Men­tal Mo­vers (Gedankenanstösse, auf die wir ver­wun­dert, ge­nervt oder empört rea­gie­ren. Sie kön­nen ein Zei­chen sein, dass es sich um eine neue Idee han­delt. Was wir sel­ber spon­tan als ori­gi­nelle und neue Ideen emp­fin­den, ist oft das, was wir be­reits wissen.) zu­zu­las­sen. Man setzt sich Ir­ri­ta­tio­nen aus und wagt po­li­tisch in­kor­rekte Ge­dan­ken zu äus­sern, ohne mo­ra­lisch pro­ble­ma­ti­sche An­sich­ten zu pfle­gen. Statt sich auf vor­de­fi­nierte Tätig­kei­ten zu be­schrän­ken, gibt man sich dem Mo­ment hin, ver­lang­samt das All­tags­tem­po, gibt sich der Lang­weile hin und Open-En­d-­Ge­spräche​n. Es geht um die Aus­lo­tung und Er­wei­te­rung des Den­kraums. Statt uns als tüch­tige Ma­na­ger in einem vor­de­fi­nier­ten Feld zu ver­ste­hen, soll­ten wir Zwei­fel und eine leichte Zer­streu­ung zu­las­sen, um un­sere Fähig­keit zu för­dern, deu­tend und in­tui­tiv un­sere Um­welt zu ver­ste­hen. Auf diese Weise be­steht die Hoff­nung, dass wir Ge­fah­ren bes­ser er­ken­nen, un­se­ren Wer­ten wirk­lich nach­le­ben und au­to­no­mer wer­den.“ (Allan Gug­gen­bühl in Stif­tung Frei­heit und Ver­ant­wor­tung, Schrift Nr. 20, Re­dak­tion J. F. Kü­min)


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